Druckschrift 
3 (1925) Die merowingische und karolingische Zeit : 1. Teil: Siedelungsgeschichte
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

323

die Nahe, und auch der eingegangene Ort Heuchelhehn (südlich Rhaunen)liegt an der Nord—Süd-Straße über Bergen nach Kirn. Hinlingen beiBergen und Ingelnheim bei Traunen können allerdings auch mit derOst—West-Straße zusannnengebracht werden. Immerhin aber zeigtdieser Tatbestand zusammen mit dem völligen Fehlen von Reihengräberndeutlich, daß die „alamannische“ und frühfränkische Kolonisation imHunsrück keine große Rolle spielte und daß die Ableitung des NamensH u n s r ii cken - Rücken der Hirnen (sei es nun = dunklen Be-völkerung oder = Heunen), der keltisch-romanischen Bevölkerung, ihrevolle Berechtigung hat vom Standpunkt der Franken im Rheintal aus.Erst in karolingischer Zeit setzte eine stärkere germanische Kolonisationein, auf welche die Ortsnamen wie Hoppstädten, Nohfelden, Birkenfeld,Regulshausen, Eckelshausen usw. zurückgehen. Die sehr große Zahlder —weiler-Orte führt H. Baldes auf vordeutsche Bevölkerung, alsositzengebliebene Keltoromanen, zurück, die aber vielfach unter fränkischeHofbesitzer kamen. Die auf Rodung bezugnehmenden Orte sindnoch später.

1 m vorderen Huns r ii c k sind die —ingen- und —Tieim-Orteim ganzen selten, aber doch in mehreren Gruppen vorhanden (Kröpp-lingen, Hiibingen [Thörlingen und Leiningen sind unecht] auf der Höhevon Boppard, bzw. Hundheini, Wiischheim, Keidelheim zwischen Castel-laun und Simmern, Wiebelsheim, Birkheim, Biebernheim auf der Höhevon Oberwesel, Beltheim bei Frankweiler |Pr. Z. 1916, S. 163]), alle anden Aufstiegen vom Rheintal oder an der Straße Coblenz—Castellaun—Trier; noch zahlreicher sind die —heim-Orte im Hinterland von Kreuz-nach, wo auch mehrere Reihenfriedhöfe bekannt sind (vgl. die KarteTaf. 2). Daß diese letzteren —heim-Orte so oft mit rheinhessischenübereinstimmen (Laubenheim, Bretzenheim, Heddesheim, Weinsheim,Waldböckelheim, Norheim, Waldalgesheim usw.), wird häufig damitzusammengebracht, daß sie vom dortigen Volksiiberschuß in dem wenigerfruchtbaren Gelände angelegt worden seien, kaum mit Recht, währenddie nördliche —heim-Gruppe oberhalb Wesel und Boppard zweifels-ohne von Nordosten her gegründet ist und in Rheinhessen keine Gegen-nainen aufzuweisen hat. Es stimmt damit, daß dieser südöstliche Teildes Hunsrücks bis zum Sicsbach bei Oberstein zum Nahegau (Sitz Kreuz-nach), jener nördliche zum Trechirgau gehörte (vom Rhein bis in dieGegend von Enkirch und Trarbach, Sitz Castellaun), der vielleicht mitden Tenkterern zusammenhängt. Die Scheide des rheinfränkischen Dialektsbildet heute noch die Siesbachlinie, wie sie auch 843 die Grenze desan Ludwig den Deutschen fallenden Gebietes war und vorher Diözesan-und Provinzgrenze, vielleicht auch keltisch-germanische Völkerscheidezwischen Treverern und Vangionen.

Demnach haben sich die Alamannen oder wohl vielmehr die erstenRipuarier auf einige günstigeren Punkte im Rhein-Mosel-Eck und längs