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3 (1925) Die merowingische und karolingische Zeit : 1. Teil: Siedelungsgeschichte
Entstehung
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2. Starke alamannische Überreste verraten sich durch die zahlreicheren—ingen in der schwerer zugänglichen großen Mainschleife zwischenWertheini und Würzburg und auf den Hochflächen beiderseits derTauber. Eine Reihe von —ingen-Orten hat außerdem erst im Ver-lauf des späteren Mittelalters die —heim-Endung angenommen.

3. Auch die —leben-Siedelungen der Angeln usw. finden sich in demabgelegeneren oberen Werngebiet und auf den Hochflächen, ebensowie die —ungen der Thüringer.

4. Die fränkischen —heim-Kolonien nahmen überall das fruchtbare Landin Beschlag, namentlich längs der Straßen und Täler, doch drangensie bei Buchen und Hardheim tiefer in den Odenwald ein.

5. Die älteren —statt-Orte sind meist königliche oder dynastischeQriindungen zum Schutz von Straßen, Fluß- und Bergübergängen,Bannforsten usw. und tragen teils die Namen der Gründer, wie Karl-stadt (= Karl Marteil), Hettstadt (= Gaugraf Hettan), teils bezeichnensie die Lage (Hochstadt usw.) oder den Zweck (Herstadt usw.).Von Interesse ist, daß schon im VI1T./IX. Jahrh. unter dem Gau-grafen des Taubergaus Marcuart Ober- und Niederstetten ge-schieden werden (in Stettin, Lutenbach, Zimberen et in superioriStettin (Oberensteten), ubi ecclesia edificata est, vgl. K. Weller, Ans.d. wiirtt. Franken, S. 56).

6. So häufig die teils volksmäßigen, teils grundherrschaftlichen —hausenauf unserem Gebiete sind, so selten begegnen die (in der Mehrzahlgrundherrlichen) —dorf-Bezeiclmungen, wie Graefendorf (= Grafen-dorf) an der Saale. Viele derselben gehören, wie auch viele auf—liofen, erst der späteren Ausbauzeit an, obwohl besonders betontwerden muß, daß sie alle, wie auch die auf —buch, —tal usw., ver-einzelt schon in älterer Zeit Vorkommen.

Literatur.

K. Uebe lei seil, Die Ortsnamen des Amtsbezirks Wertlieim, 1900.

A. S c h u m in , Unterfränkisches Ortsnamenbuch, Wiirzburg 1901.

J. S c li n e t z, Das lar-Problem mit besonderer Berücksichtigung der unterfränk.Lohr-Orte am Main, Programm Lohr 1913.

J. Sch netz, Herkunft des Namens Wiirzburg, Programm Lohr 1916.

F. Kau ff man n II, S. 268, Anmerkung 1.

Zu den Ortsnamen auf —lebe n vgl. auch L. Schmidt II, 1918, S. 29 f., wo jedestanimliche Zugehörigkeit abgeleugnet, aber sehr frühe Entstehung zugestanden wird.

So stellen die Ortsnamen eine wunderbare Fundgrube für dieSiedelungsgeschichte der verschiedenen Gegenden dar, die noch langenicht genügend ausgeschöpft ist. Wenn aber die siedelungsgeschichtlicheBetrachtung zu der sprachlichen Ausdeutung hinzukommt, wie es auchO. Bethge in seiner Arbeit über die Besiedelungsgeschichte des Unter-mainlandes erfolgreich getan hat, wird die letztere erhöhte Bedeutungund Sicherheit erhalten und den Bodenfunden gleichwertige Zeugnisseliefern. Mögen deshalb in Zukunft die beiden Disziplinen miteinanderHand in Hand arbeiten!