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3 (1925) Die merowingische und karolingische Zeit : 1. Teil: Siedelungsgeschichte
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Oder- und Weicliselland lieriibergekoininen und allmählich bis zu denKüsten des Schwarzen Meeres und zur unteren Donau vorgedrungen.Gegen das Ende des II. Jalirli. durchzogen cimbrische Scharen von dernach ihnen benannten Halbinsel zusammen mit allerlei fremdartigemAnhang fast ganz Mitteleuropa bis weit zum Westen. Auch die volk-reichen Suebenstämme an der Elbe hatten schon lange vor Ariovistkriegerische Jungmamiscliaft nach allen Seiten ausgeschickt. Ariovisteroberte für seinen durch mancherlei Naclibarstämme verstärkten Heer-schwarm Wohnsitze in Südwestdeutschland, in der Pfalz, im Elsaß bisin die Gegend von Besangon. Alle diese Züge und Wanderungen ge-schahen aus Übervölkerung und unter dem Druck von Mißjahren oderbösen Nachbarn, angetrieben durch Abenteuerlust und Beutegier, wäh-rend politische oder kolonisatorische Ziele höchstens vereinzelten Heer-königen vorschwebten, wie Ariovist. Die Römerherrschatt und derrömische Limes geboten diesen wilden Wanderziigen für längere ZeitHalt, doch wurden schon im 111 ./IV. Jaiirli. viele germanische Kolonisten-scharen in größeren geschlossenen Gruppen in Gallien angdsiedelt.

Schwerlich ist es nur dem Zufall zuzuschreiben, sondern wahr-scheinlicher hervorragender Stoßkraft, daß gerade die A 1 a m a n n e nim Bunde mit den Chatten zuerst die Römer über den Rhein zurück-warfen. Wie bereits Band II, S. 132 f. geschildert wurde, überranntensie schon im Jahre 233 den Donaulimes und eroberten um 260 denrheinischen Grenzwall. Nunmehr ergossen sie sich in breitem Stromeunaufhaltsam über das ganze römische Gebiet bis zur Donau und biszum Rheine. Die Alamannen sind ohne Zweifel aus dem Kernvolk derSueben (caput Sueborum), den Semnonen, hervorgegangen, in deren Landan der Elbe sich das Zentrallieiligtum der Sueben befand. Doch ist diefrüher allgemein angenommene Ableitung ihres Namens von alali, demdortigen heiligen Haine des Schwertgottes Ziu, also Alamannen= Männer des Heiligtums (ähnlich Markomannen = Grenzmänner)sprachlich unmöglich. Vielmehr bedeutet der Name nach der Ansichtder neueren Germanisten „einen Männerverband“, eine Bundesge-meinschaft im Sinne eines weiteren politischen Verbandes, wie ja imIII. Jahrh. auf germanischem Boden allenthalben Stammes- und Völker-bünde entstanden und auch die Sippen- oder Geschlechtsgenossenschafteufaramanni = Männer der tara hießen. Wenn ein griechischer Schrift-steller des VI. Jahrh., Agathias, die Alamannen als „zusammengeströmtesund gemischtes Volk“ bezeichnet, erscheint nicht ausgeschlossen, daßsich ihrem Bunde einige benachbarte Stämme zugesellten, doch kannjene Deutung des zugrunde hegenden römischen QuellenschriftstellersAsinius Quadratus auch aus dem Namen entstanden sein, wie eine ähnlicheAuslegung für den Burgundennamen verbreitet wurde.

Waren die ersten Vorstöße Raub- oder Wanderzüge einer tatenlustigenJugend und des Volksüberschusses, so setzten sich allmählich ganze Stämme