Konstantinus u. Licinius« Jahr Christus ZI 5. Melchiades. Z49„wie ein Jeder die Theile der Kraft Christi und des heiligen Geistes zu„fassen vermag. Die Seelen Einiger könnten auch als Sitze von Engeln„betrachtet werden, nämlich die Seelen derer, welche einem Jeden von jenem„zum Unterricht und zur Bewachung übergeben sind. Aber der heilige,„große und einzige Altar, wer könnte dieß anders seyn, als die Reinigkeit„der Seele des allgemeinen Priesters und das Heiligthnm der Heiligthümer,„welchem zur Rechten der große Oberpriester Aller steht? Jesus selbst, der„Eingebvrne Gottes, der das wohlriechende Näucherwerk und die unbluti-gen , geistigen Opfer des Gebets heiteren Blickes mit dem Rücken der»Hand von Allen aufnimmt und es seinem Vater im Himmel, dem Gott„über Alles, darbringt, zuerst selbst ihn anbetend und allein dem Vater die„würdige Verehrung erweisend, hierauf aber auch ihn bittend, er möchte„uns gnädig bleiben und gütig allezeit. So beschaffen ist der große Tem-„pel, welchen der große Schöpfer des Weltalls, das Wort, in der ganzen„Welt errichtet und auch zum geistigen Bilde dessen, was jenseits des Him-„mclsgewölbes ist, auf Erden gemacht hat, damit von der ganzen Schöpfung„und von allen vernünftigen Wesen auf Erden der Vater geehrt und ange-betet würde. Aber jene himmlische Gegend und die dortigen Urbilder der„Nachbildungen hienieden, jenes obere Jerusalem und jenen himmlischen„Berg Sion, und die überirdische Stadt des lebendigen Gottes, in welcher„unzählbare Chöre der Engel und eine Gemeinde der Erstgebornen, die„eingeschrieben sind in das Buch des Himmels, mit für uns unauSsprcch-„lichen und nnfaßlichen Lobgesängen ihren Schöpfer und den Allbeherrscher„verehren — wo ist ein Sterblicher, der dieß nach Gebühr zu preisen ver-möchte? „Denn kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört und„es ist in keines Menschen Herz gekommen, das Gott bereitet hat denen,„die ihn lieben." (I) Da wir aber schon jetzt Alle dieser Herrlichkeiten theil-„weise gewürdigt worden sind, so laßt uns Alle insgesammt auf Einmal,„Männer, Weiber und Kinder, Kleine und Große, mit Einem Herzen und„mit Einer Seele den U>Heber solchen Glückes zu bekennen und zu preisen„nicht aufhören, (2) „der gnädig ist allen unfern Sünden, der heilet alle„unsere Krankheiten, der unser Leben vom Verderben erlöset, der uns krönet„mit Mitleiden und Erbarmen, der unsere Begierde mit Gütern erfüllt.„Denn er handelt nicht mit uns nach unfern Sünden, noch vergilt er uns„nach unfern Missethaten. Denn so weit der Aufgang vom Niedergang„entfernt ist, so weit hat er die Uebertretungen von uns entfernt. Wie ein„Vater sich seiner Kinder erbarmet, also erbarmet sich Gott derer, die ihn„fürchten." Dieß laßt uns für jetzt und für alle folgenden Zeiten lebendig„im Gedächtniß behalten, laßt uns den Urheber deS heutigen Festes und„dieses herrlichen Frendeutages, den Vorstand dieses Festes, bei Tag und„Nacht, zu jeder Stunde und, um mich so auszudrücken, mit jedem Athem-„zuge im Geiste vor Augen haben, laßt uns ihn lieben und verehren mit
(t) t Korinth. 2, 9.
(3) Psalm 103, 3. 4. Ut. t2. t3.