KvnstantinnS n. LiciniuS. Jahr Christus 315. Melchiadeö. A Uj„Tyrannen in ihren Seelen erstarrten, so laßt sogar diese das seligma-„chende Wort Gottes nicht ohne Pflege und übersieht sie nicht, sondern es„heilt sie mit liebender Sorgfalt und fordert sie zu Empfangnng der„Tröstungen Gottes auf mit den Worten: Tröstet euch, ihr Kleinmü-„thigen, seyd stark, fürchtet euch nicht. Nachdem unser neuer trefflicher„Jorobabel mit den scharfen Ohren des Verstandes das weissagende„Wort gehört hatte, daß diejenige, welche wegen Gott öde wurde, dieses„Glückes genießen solle, so ließ er nach jener herben Gefangenschaft und„dem Grunde der Verwüstung die leblose Leiche nicht außer Acht, sondern„machte sie vor allen andern mit eurer Aller altgemeinen Uebereinstim-mnng dem Vater durch Bitten und Anflehen geneigt, nahm den, der„a.'k-n lebendig macht von den Todten, zum Mitstreiter und Bundes-genossen an und richtete die Gefallene wieder auf, nachdem er sie vor-„her von allem Unrath gereinigt und gesäubert hatte. Allein er legte„ihr nicht ihr ehemaliges altes Gewand um, sondern ein solches, wie„er es aus der heiligen Schrift kennen gelernt hatte, in welcher(1) es„deutlich heißt: „ES soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer„werden, als die des ersten gewesen ist." Er umfaßte demnach einen viel„größern Raum und sicherte den äußern Umfang mit einer das Ganze„in sich begreifenden Ringmauer, welche dein Ganzen zu einer festen„Schntzwehr dienen sollte. Ein ansehnlicher, hochragender Vorhof er-„streckte sich gegen die Strahlen der aufgehenden Sonne hin, welcher„auch denen, welche weit außerhalb des heiligen Bezirks standen, be-„gueme Gelegenheit zur Betrachtung des Innern gab und auch die Blicke„der unserer Religion nicht Angehörigen zu den ersten Eingängen gewiffer-„maßen hinzog, damit Niemand vorübergehen könnte, ohne von dem„Andenken an die frühere Oede und dem Anschauen des gegenwärtigen„unerwarteten Wunders heftig ergriffen zu werden, wodurch er hoffte,„daß dadurch der in solcher Stimmung sich Befindende herbeigezogen„und schon durch den Anblick selbst zum Eintreten bewogen werden könnte.„Wenn man aber zu den Thoren hineingegangen war, so gestattete er„nicht, daß man sogleich mit unreinen, ungewaschenen Füßen das Hei-„ligthnm betrat, sondern er ließ zwischen dem eigentlichen Tempel und den„ersten Eingängen einen ansehnlichen Zwischenraum und schmückte diesen„mit vier auf allen Seiten schrägen Hallen, womit er den Ort in Gestalt„eines Vierecks umgab und welche allenthalben auf Säulen sich erhoben.„Den Zwischenraum zwischen diesen umschloß er mit einem verhältniß-„mäßig hohen hölzernen Gitterwerk. Den Mittlern Raum zwischen den„Hallen aber ließ er offen und frei, damit man den Himmel schauen„und die helle, reine Luft im Glanz der Sonnenstrahlen sehen könnte.„Hier stellte er die Zeichen der heiligen Reinigungen auf, indem er dem„Tempel gegenüber Quellen einrichtete, welche den in das Innere des
(1) Hagg. 2 , 10.