Konstantiuns u. Liciuius. Jahr Christus 315. Melchmdes.möge. Da ich auf dein Verlangen, heiligster Paulinus, (l) das zehnteBuch den vorangegangenen Büchern der Kirchengcschichte angereiht habe,so will ich dir dasselbe zuschreiben und dich, so zu sagen, zum Siegel desganzen Werkes erklären. Mit Recht werden wir hier auch eine voll-ständige feierliche Rede Von d e r Wie d e r e rn e n e r n n g derKirchenals einen ordentlichen Theil mit einrücken, gehorsam dem Befehle desheiligen Geistes, der also lautet, (2) „Singet dem Herrn ein neues Lied,„denn er hat Wunder gewirkt, Es hat ihn errettet seine Rechte und„sein heiliger Arm. Der Herr hat seine Rettung bekannt gemacht, vor„den Heiden hat er seine Gerechtigkeit geoffenbarct.« Und allerdingswollen wir jetzt jenem Ausspruche gemäß, welcher ein neues Lied zu sin-gen gebietet, ein solches anstimmen, da wir nun nach jenen schrecklichenund düstern Schauspielen und Erzählungen das zu sehen und zu feierngewürdigt worden sind, was viele wirklich gerechte Männer und MärtyrerGottes vor uns auf der Erde zu schauen gewünscht haben und dochnicht schauten und zu hören und doch nicht hörten. (Z) Doch diese, dieso schnell vorangeeilt, sind eines viel besseren Looses theilhaftig geworden,indem sie in den Himmel selbst und in das Paradies der göttlichenWonne verseht wurden;.wir aber müssen bekennen, daß auch dieses unserGlück größer ist, als wir verdient haben und können nicht genug er-staunen über die Gnade dessen, der uns dieses große Geschenk gegebenhat; wir bewundern und verehren ihn, wie es sich gebührt, mit ganzerSeele und bezeugen die Wahrheit der in der heiligen Schrift enthaltenenWeissagungen, worin es heißt: (4) „Kommt her und schaut die Werke Got-tes, die Wunder, die er gethan hat auf Erden. Er hat die Kriege„beigelegt bis an das Ende der Erde. Er wird den Bogen zerbrechen,„die Waffen zerschlagen und die Schilde mitt Feuer verbrennen.« Dadieß Alles in Betreff unserer deutlich in Erfüllung gegangen ist, so wollenwir voll Freude darüber unsere Erzählung weiter.fortführen. Die ganzePartei der Feinde Gottes war nun auf die angegebene Weise ausge-rottet und dem Blicke der Menschen so plötzlich entzogen, daß wieder-um ein göttlicher Ausspruch in Erfüllung ging, welcher also lautet: (5)„Ich habe den Gottlosen über die Maßen erhöht gesehen und hoch er-„haben, wie die Cedern des Libanon. Und ich ging vorüber und siehe,„er war nicht mehr. Ich suchte seinen Ort und er ward nicht gefunden."Fortan leuchtete nun schon ein heiterer, Heller Tag, von keinem Gewölke
(t) Dieser Paulinus war anfänglich Presbyter zu Antiochien, darauf wurde erBischof zu Tyrus, welches Amt er mit Ruhm verwaltete. Nach der Absetzung des Eusta-hius wurde er als Bischof »ach Antiochien berufen, wie wir aus dem vierten Kap. derSchrift des Eusebius wieder dem Marcellus sehen. Philostorgius meldet im töten Kap.Zes dritten Buchs, daß er dieß Amt nur sechs Monate lang bekleidet und darauf gestorbensey. Sein Tod ist also in das Jahr 328 zu setzen. Valcsius.
(2) Psalm 93, I. 2.
(3) Anspielung auf Matth. t3, 17.
(4) Psalm 46, 8. 9.
(5) Psalm 37, 35. 36.