Kvnstautiuus u. Licinius Jahr Christus 312. MelchiadeS. 317
Fünftes Hauptstück.
Von den erdichteten Akten.
Sie erdichteten demnach Akten des Pilatus (1) und unsers Erlösers,welche mit allerlei Lästerungen gegen Christum angefüllt waren. Dieseschickten sie auf Geheiß des Maximinus in seinem ganzen Negierungsantheilherum und begleiteten sie mit dem Befehl«, man solle sie überall, in derStadt, wie auf dem Lande, an öffentlichen Oettern zu Jedermanns Kennt,niß anschlagen und die Schullehrer sollten dieselben statt der gewöhnlichenSchulfächer mit ihren Schülern treiben und sie von diesen auswendig lernenlassen. Während dies; also geschah, ließ ein anderer Kriegsbefehlshaber,Dnx bei den Römern genannt, (2) in der Stadt Damaskus in Phönieieneinige übel berüchtigte Weibspersonen von einem öffentlichen Platz weg auf-greifen und zwang sie durch die Drdhung mit der Folter, zu Protokoll zugeben, daß sie einst Christen gewesen seyen und Mitwissenschaft von deuGottlosigkeiten der Christen hätten, daß diese selbst in den Kirchen grobeAusschweifungen sich erlaubten und was er sonst noch zu Verlästerung unsererReligion gesagt wissen wollte. Diese ihre Aussage nahm der Dur zu Pro-tokoll und schickte sie an den Kaiser, auf dessen Befehl auch diese Akten allerOrten und in allen Städten bekannt gemacht wurden.
Sechstes Haupt stück.
Von denen, welche zu dieser Zeit Märtyrer geworden.
Allein nicht lange nachher wurde der genannte Kriegsbefehlshaber seineigener Mörder und büßte so die Strafe für seine Bosheit. Wir abermußten aufs Neue fliehen, wiederum grausamere Verfolgungen erduldenund die Statthalter aller Provinzen setzten uns wiederum aufs Heftigste zu,so daß sogar einigen angesehenen Christen, welche ergriffen worden waren,ohne Gnade das Todesnrtheil gesprochen wurde. Von diesen wurden drei,welche sich als Christen bekannt hatten, in der Stadt Emesa in Phönieienden wilden Thieren vorgeworfen. Unter ihnen befand sich der Bischof Sil-vanus,(Z) ein Mann von sehr hohem Alter, der sein Amt ganzer vierzig
(t) Dieser Akte» hat Eusebius schon oben l, 8. erwähnt. „Schon früher mag/äußert sich Neandcr über dieselben, „es mancherlei von Christen und Heiden herrührende„Recensionen der <>oti> I'ilatt gegeben haben, und so mag diese neue Dichtung der Bosheit„ans einer altern Grundlage hervorgegangen seyn. Vielleicht ist es auch ungenau, wenn„gesagt wird, daß jene -mm erst damals erdichtet worden j vielleicht hatte der fanatische„Haß der Helden schon in einer früher» Seit der diokletianischen Verfolgung ein solches Nach-„wcrk hervorgebracht und man suchte es nur jetzt besonders zu verbreiten. Das müßte„mau annehmen, wenn diese aeM ganz dieselben wären mit denjenigen, auf welche sich ein„heidnischer Priester als Seugniß gegen die Gottheit Christi bei einem Verhör in einem„fruhrrn Jahr der diokletianischen Verfolgung berief."
(2) Die Duccs befehligten die Soldatcnabtheilungcn in den Provinzen und die Be-satzungsvölkcr längs den Grenzen.
l3) Dieser und die folgenden hier genannten Märtyrer sind eben die, deren Eusebiusschon oben L, 13., wohin sie eigentlich nicht gehörten, erwähnt hat.