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Kirchengeschichte
Entstehung
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298
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298 Diokletianus. Jahr ChristuS Z06. Marcellus.

Glieder ausgedehnt. Hernach zerfleischten ihnen die Folterknechte ans Be-fehl den ganzen Körper, nicht bloß, wie bei Mördern geschieht, die Seiten,sondern auch den Bauch, die Schienbeine und die Backen. Andere wurdenunter der Säulenhalle an Einer Hand anfgehenkt und schweben gelassen,wobei ihnen die Ausdehnung der Glieder und Gelenke einen Schmerz ver»ursachte, der jeden andern an Heftigkeit übertraf. Noch Andere wurden,das Gesicht einander zugekehrt, an die Säulen gebunden, ohne jedoch mitden Füßen die Erde zu berühren, so daß durch die Schwere des Körpersdie Bande nur noch stärker angezogen wurden. Und dieß mußten sie aus-halten nicht bloß so lange, als der Statthalter (1) mit ihnen sprach oder sieanhörte, sondern fast den ganzen Tag hindurch. Denn wenn er auch zuAndern sich hinbegab, so ließ er bei den ersten einige von seinen Gerichts-dienern zur Beobachtung zurück, ob etwa der Eine oder der Andere, vonden Qualen übermannt, nachzugeben scheine (2) und befahl zugleich , dieBande ohne Gnade anzuziehen und sie sodann, wenn sie verschieden, her-abzuwerfen und fortzuschleppen. Denn, sagte er, man dürfe im gering-en keine Rücksicht gegen uns beobachten, sondern sie sollten nur so gegenuns denken und handeln, wie wenn wir bereits keine Menschen mehr wären.Dieß war die zweite Marter nach den Schlägen, welche unsere Feindegegen uns erfunden hatten. Es gab auch Einige, welche nach den Folternin den Block gelegt und deren Füße bis zum vierten Loch ausgespanntwurden, und welche, da sie wegen ihrer noch frischen, von den Schlägenherrührenden Wunden, die sie am ganzen Körper hatten, nicht geradesitzen konnten , krumm sich über den Block legen mußten. Andere lagen,von übermäßigen Schmerzen der Folter gequält, ans dem Boden hinge-streckt und boten durch die vielen und mannigfaltigen Spuren der gegensie ausgedachten Martern, die sie an ihren Leibern trugen, noch einen viel

(t) Sein Name war Hicrocles.

(2) Um dieß war es hauptsächlich zu thun, wie auS folgender Stelle des LaktantiuS erhellt,welche auch einiges andere in diesem Buche von Eusebius Erzählte theils bestätigen, thcilserklären kann. Bei diesem Schriftsteller heißt es viv. Inst. V. lt. unter Anderem:Jenesind die Schlimmsten, denen einiger Schein von Güte fälschlich zusagt; denn jener ist eingrößerer und grausamerer Henker, der sich vornimmt, keinen zu lödten. Es ist daherzu bestimmen unmöglich, wie viele und große Martern derlei Richter erfunden haben, umden Endzweck ihres Vorhabens zu erreichen. Dieses thun sie aber nicht etwa bloß darum,daß sie sich rühmen mögen, sie hätten keinen der Unschuldigen gctödtet (denn ich hörte selbsteinige darob sich rühmen, daß in diesem Betracht ihre Rechtspflege unblutig gewesen sey),sondern aus Eifersucht, daß sie nicht selbst unterliegen und jene den Ruhm ihrer Tapferkeitdavon tragen. Daher denken sie beim Nachsinnen über die Art der Strafen auf nichtsAnderes, als auf ihre Siege; sie wissen nämlich ganz wohl, daß dieses ein Streit undKampf sey. Ich selbst sah in Bithynicn einen Oberrichter, der sich außerordentlich, gleich-kam, als hätte er ein barbarisches Volk überwunden, dessen brüstcte, daß Einer, nachdemer zwei Jahre lang mit großer Standhastigkeit widerstanden hatte, am Ende gefallen ist.Sie streiten nämlich bloß des Sieges wegen, daher ihre ausgesuchte Marter, womit siedie Leiber (der Christen) quälen; daher ihre Vorsicht, daß sie nicht untcr den Marternsterben, gleichsam, als wenn bloß der Tod zur Seligkeit führte, und nicht die Marter»,die nach dem Verhältnis; ihrer Größe auch einen größcrn Ruhm der Tugend erwerben...Daher ihre halsstarrige Thorheit, mit der sie befehlen, fleißige Sorge zu tragen für dieGemarterten, daß ihre Glieder zu neuen Martern hergestellt und frisches Blut zum Ver-gießen ihnen gegeben werde."