286 Diokletianus und Maximiauus. I. Chr. Z0^>. Maroelliuus.
Erstes Hauptstürk.
Von den Zuständen vor der Verfolgung zu unserer Zeit.
Wie viele und wie große Ehre und Freiheit die durch Christus denMenschen verkündigte Lehre von der Verehrung des allmächtigen Gottes vorder Verfolgung unserer Zeit bei allen Menschen, bei Griechen, wie beiBarbaren, genossen hat, dieß auf eine angemessene Weise zu erzählen,übersteigt das Maß meiner Kräfte. Zum Beweise hievon dürfte aber daswohlwollende Benehmen der Machthaber (l.) gegen die Unsrigen dienen,denen sie sogar Statthalterstellen über die Provinzen anvertrauten undwelche sie voll Geneigtheit gegen unsere Religion von der ihr Gewissen be-ängstigenden Nothwendigkeit zu opfern (2) befreiten. Was soll ich von denkaiserlichen Hoflenten, was von den Machthaber!, selbst sagen, die ihrenHofleuten erlaubten, ihre Religion vor ihren Augen frei in Wort und Thatzu üben und den Weibern , (Z) Kindern und dem Gesinde fast mit demfreien Bekenntniß des Glaubens groß zu thun gestatteten? Die Kaiserschenkten ihnen in einem ausgezeichneten Grade, mehr denn ihren Mitbe-dienten, ihre Gnade. Unter sie gehört jener Dorvtheuö, (ä) der ihnen unterAllen am meisten Treue und Anhänglichkeit bewies und dcßhalb bei ihnenmehr, als diejenigen, welche die ansehnlichsten Würden und Statthalter-schaften bekleideten, in Ehren stand, so wie auch der berühmte Gorgoniusund wer sonst noch, wie sie des Wortes Gottes wegen oerselben Ehre ge-würdigt wurden. Ueberdieß konnte man sehen, welch einer ausgezeichnetenGewogenheit, welcher Berücksichtigung und welch einer freundlichen Behand-lung die Vorsteher aller Gemeinden bei allen Ober- und Unterstatthalternsich zu erfreuen hatten. Und wer vermöchte wohl die zahllosen Schaaren,die sich dem Christenthum zuwandten, die Menge der Versammlungen injeder Stadt und den auffallenden Zulauf zu den Bethänsern schildern?Weßhalb die alten Gebäude nicht mehr zureichten, sondern geräumige Kir-chen in allen Städten von Grund aus errichtet werden mußten. So sehraber dieser Zustand im Verlaufe der Zeit Fortgang gewann und täglichwuchs und sich weiter verbreitete, so vermochte es doch kein Neid zu hemmen,noch war irgend ein böser Dämon im Stande, durch böse Künste dagegenzu wirken oder durch die Hinterlist der Menschen eö zu verhindern, so lange
(t) Nämlich dcr beiden Auguste Diokletianus und Maximiauus und der Cäsaren Ga-lerianuS und Konstantius.
(2> Bei der engen Verflechtung der heidnischen Staatsrcligion in alle politische undgesellschaftliche Einrichtungen lag den Statthaltern häufig das Opfern ob, da aber alleChristen darüber einstimmig waren, daß Mitmachung heidnischer Rcligionsceremonien durchkeine Nothwendigkeit entschuldigt werden könne, so hatten die Christen bisher solche Wür-den abgelehnt.
(3) Selbst des Diokletianus Gemahlin Priska und seine an den Cäsar Galcrius ver-hcirathetc Tochter Valeria waren, wenn nicht selbst Christinnen, doch wenigstens den Chri-sten sehr günstig.
(4) Er war, nach unserer- Art zu reden, Obcrkammerhcrr bei Diokletian oder Galcrius.Man sehe unten Hauptstück 6. Stroth.