2 stst Decius. Jahr Christus 252. Kornelius.
Vierundvierzigstes A)auptstück.
Die Erzählung des Dionysius von Serapion. (1)
An eben diesen Fabius, der einigermaßen zum Schisma sich hin-neigte, schrieb auch der Bischof Dionysius von Alexandrien einen Brief,worin er vieles von der Buße spricht, die Kämpfe der so eben erst damalszn Alexandrien zu Märtyrern gewordenen beschreibt und unter den übrigenErzählungen einen Vorfall anführt, der alle Bewunderung verdient undden wir unserer Geschichte einzuverleiben nicht umhin können. Die Wortedes Dionysius sind folgende: „Ich will dir aber nur dieß eine Beispiel au-fführen, das bei uns vorgefallen ist. ES befand sich unter uns ein gläu-„biger Greis, Namens Serapion, der eine lange Zeit tadellos gelebt hatte,„in der Versuchung aber gefallen war. Dieser bat oft, (2) aber Niemand„nahm Rücksicht auf ihn, weil er geopfert hatte. Er fiel darauf in eins„Krankheit und blieb drei Tage in einem fort sprach- und empfindungslos.„Am vierten Tage erholte er sich ein wenig, rief seinen Enkel zu sich her„und sprach: Aber mein Kind, wie lange haltet ihr mich auf? Ich bitte,„eilet und absolvirt mich geschwinde. Rufe mir einen von den Presby-tern (2) herbei! Nachdem er diese Worte gesprochen, verlor er wieder die„Sprache. Der Knabe eilte fort zum Presbyter. Es war Nacht, dieser„krank und konnte somit nicht kommen. Weil ich aber befohlen hatte, daß„man den Sterbenden, wenn sie darum bäten, und hauptsächlich, wenn sie„schon früher darum gefleht hätten, die Lossprechung ertheilen solle, damit„sie voll guter Hoffnung aus der Welt scheiden konnten, so gab der Pres-„byter dem Knaben ein wenig geweihtes Brod und befahl ihm, es anzu-feuchten und es dem Alten in den Mund fließen zu lassen. (4) Der Knabe„kam damit zurück. Wie er sich näherte, ehe er noch hereintrat, erholte„sich Serapion wieder und sprach: Bist du da, mein Kind? — Der Pres-„byter konnte also nicht kommen? Nun so thue du geschwind, was er dir„besohlen hat. Der Knabe befeuchtete das Brod und ließ es ihm zugleich„in den Mund fließen. Kaum hatte es der Greis hinabgeschlnckt, als er„seinen Geist aufgab. Ist er also nicht offenbar so lange aufbewahrt und„beim Leben erhalten worden, bis er absolvirt war und, nachdem er Ver-gebung seiner Sünde erhalten, wegen des vielen Guren, das er gethan,„von Christo anerkannr werden konnte ?" So weit Dionysius.
(t) Dieser Serapion ist nicht mit dem im t2tcn Hanptst. dieses Buches angeführtenzu verwechseln.
<2) Nämlich man möchte ihn wieder in die Gemeinde aufnehmen.
(Z) Absolvircn konnte eigentlich nur der Bischof; allein da dieser, namentlich in dengrößer» Städten, nicht überall gegenwärtig scyn konnte, so hatten gewöhnlich Presbyterdie Obliegenheit, Kranke auf ihr Verlangen zu absolvircn.
l4) Es war ei» alter Brauch, Kranken durch andere Personen das Abendmahl zu schicken.