Druckschrift 
Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

Karakalla. Jahr ChristuS 215. Zephyrinns. 205Namen Petri führende Evangelium durchzugehen, sagte: wenn es dies; alleinist, was euch Mißvergnügen zu machen scheint, somag es immerhin vorgelesenwerden. Nun aber, da ich ans dem , was mir gesagt worden, erfahrenhabe, daß sie von einer gewissen Ketzerei befangen sind, so werde ich eilen,wiederum bei euch zu seyn; daher erwartet mich, geliebte Brüder, inBälde. Es ist euch, meine Brüder, bekannt, von welcher Sekte Marcia-uns gewesen, und wie er sich selbst widersprochen hat, nicht wissend, was erredete, und ihr werdet es auch ans dem, waö ich euch geschrieben habe,erfahren. Denn wir konnten von Einigen, welche gerade die>es Evange-liums häufig sich bedienten, das heißt, von den Nachfolgern der Stifterder Partei, zu welcher sich Marcianus hält, die wir Dokcten(l) nennen (dennihre meisten Meinungen sind aus dieser Schule), dasselbe entlehnen undhier durchgehen. Wir haben zwar das Meiste mit der wahren Lehre desHerrn übereinstimmend, Verschiedenes aber auch davon abweichend gefun-den und dieses fügen wir auch hier bei.« So weit von den SchriftenSerapions.

Dreizehntes Hauptstück.

Von den Schriften des Klemens.

Von Klemens haben wir noch seine sämmtlichen acht Bücher ver-mischter Abhandlungen, welchen er folgenden Titel gab :Des TitnSFlavias Klemens vermischte Abhandlungen, enthaltend vernünftige Aus»sätze über die wahre Philosophie.« Der Zahl nach eben so viel sind seineBücher, welche den Titel En twürfe führen. Er erwähnt darin nament-lich des Pantänus als seines Lehrers und führt an, was dieser von denAlten geHort und wiederum seinen Schülern mitgetheilt habe. Auch besitzenwir von ihm eine Ermahnungsschrift an die Griechen, so wie drei Bücherunter dem Titel: Der Lehrer; ferner ein Buch mit der Ueberschrift:

(-1) Dieser Name ist hier zuerst von Serapion gebraucht. Es werden darunter solcheLeute verstanden, welche sagten, Christus scy nur er Fvxhcree, dem Scheine nach, Menschgewesen. Man nannte sie auch Phantasiastcn, Phatasiadokesen, weil sie den Körper fürein bloßes Ptti-rcrerzio:, cwc Erscheinung ohne Realität, hielten; bei den lateinischenSchriftstellern hießen sie upiniarii, Der Dosetismus ist indeß keine besondere Sekte, wieman sonst, besonders auf das Aeugniß des Klemens, der den Kassianus für den Stifterausgibt, angenommen hat, sondern er ist nur eine besondere Seite des Gnosiicismus, dierein idealistische oder eigentlich phantastische Richtung desselben. Nach der gewöhnlichenLehre der meiste» Gnostiker konnte ein höherer Geist, da die Materie ein Gegensatz gegenden Geist entweder des an sich Bösen ist oder nur des an sich Unselbstständigcn, der Realitätermangelnde Bild des Geistes, in täuschenden sinnli'chcn Formen sich darstellen. Daherwurde auch von der Verbindung Christi mit einem menschlichen Körper behauptet, sie be-ruhe auf einem bloßen Scheine und die ganze menschliche Erscheinung Christi sey eine bloßeBision gewesen. Die älteste Spur des Dokctismus überhaupt findet sich schon Tobias IL,lS, In seiner Beziehung zum Christenthum wird der Doketismus von dem Apostel Jo-hannes an mehreren Stellen bestritten (man vergleiche Brief 1 Brief t. l, 2. 4, Z.,2 Brief 7). Daher dringt er mit so großem Nachdruck darauf, er bezeuge, was er ge-sehen und gehört, um damit das wahrhaft Menschliche in der Person und ErscheinungChristi zu bestätigen (vcrgl. Evangel. IS, 34).