202 Karakt,IIa. Jahr Christus 211. ZephyrinuS.dieses Wunders bei sehr vielen Brüdern aufgehoben haben. Sie erzählenauch noch sehr viele andere merkwürdige Begebenheiten aus dem Leben diesesMannes, worunter auch Folgendes gehört. Einige elende Wichte konntensein strenges und festes Benehmen nicht ertragen. Sie schmiedeten daheraus Furcht, ste möchten einmal ertappt und bestraft werden, weil sie sichviel Böses bewußt waren, einen Anschlag wider ihn, um ihm zuvorzukom-men. Sie verbreiteten eine schreckliche Verleumdung wider ihn und bestä-tigten, um sich bei deuen, die es hörten, Glauben zu verschaffen, ihre Be-schuldigung mit Eidschwüren. Der Eine schwur, er wolle verbrennen, derAndere, eine garstige Krankheit(l) solle seinen Körper aufreiben, derDritte,er wolle das Gesieht verlieren. Allein gleichwohl, trotz aller ihrer Schwüre,achtete doch kein Gläubiger auf sie, weil die Ehrbarkeit und der tugendvolleWandel desNarciffus Allen von jeher einleuchtend war. Er selbst aber ent-fernte sich, da er die Bosheit der gegen ihn ausgesprengten Reden nichtertragen konnte undauch sonst schon seit langerJeit ein philosophisches Lebenliebgewonnen hatte, von seiner ganzen Gemeinde und hielt sich mehrereJahre lang in Einöden und abgelegenen Gegenden in der Verborgenheit auf.Jndcß das große Auge der Gerechtigkeit schaute diesen Handlungen nichtgleichgültig zu, sondern bestrafte die Gottlosen bald genug mit dem Verder-ben, dem sie sich selbst durch ihren Meineid verfällt hatten. Der Erste ver-brannte mit seiner ganzen Familie bei Nacht, da ein kleiner Funke, dervon selbst abgefallen war, das ganze Haus, worin er wohnte, in Flammensetzte. Der Andere wurde plötzlich am ganzen Körper vom Kopf bis zu denFußsohlen herab von der Krankheit ergriffen, die er sich selbst als Strafezuerkannt habe. Der Dritte, da er das Schicksal der beiden andern sah undvor der unentrinnbaren Strafe des allsehenden Gottes zitterte, bekanntezwar Allen die von ihnen begangene Schlechtigkeit, härmte sich aber vorReue und Kummer so sehr ab und hörte nicht eher auf zu weinen, als biser beide Augen verloren hatte. So wurden diese also für ihre Lügen bestraft.
Zehntes Hanptstück.
Von den Bischöfen zu Jerusalem.
Wie Neercissus sich wegbegcben hatte und man im geringsten nicht umseinen Aufenthalt wußte, fanden es die Vorsteher der benachbarten Gemeindenfür gut, zu r Wahl eines neuen Bischofs zu schreiten. Dieß war Dius;allein er hatte noch nicht lange der Gemeinde vorgestanden, als Germanienund nach diesem Gordius sein Nachfolger wurde. Unter diesem kam plötz-lich , als wie von den Tobten auferstanden, Narcisfus wiederum zum Vor-schein und wurde von den Brüdern, welche alle ihn jetzt in noch höherem
(1) Darunter ist wohl der Aussatz zu versteh»».