N12 Severus. Jahr Christus 202. Zephyrinus.„und Galenus (t.) vielleicht gar von einigen auch angebetet. (2) Daß aber„Leute, welche die Wissenschaften der Ungläubigen zn dem Systeme ihrer„Ketzerei mißbrauchen und mit der schlauen Kunst der Gottesleugner den„einfachen Glanben der heiligen Schrift verfälschen, daß solche Leute sehr„weit hin zum Glanben haben, was soll man nur davon sprechen? Deß-„wegen haben sie ihre Hände so ungcscheut an die heilige Schrift gelegt„unter dem Vorwande, sie hätten dieselbe verbessert. Und daß dieß keine„Unwahrheit von meiner Seite gegen sie ist, davon kann jeder, der da will,„sich überzeugen. Denn wenn jemand die Abschriften eines jeden von ihnen„zusammenbringen und dieselben unter einander vergleichen würde, so würde„er sie in vielen Stücken von einander abweichend finden. So stimmen„wenigstens die Handschriften des ASklepiades mit denen des Theodotns„nicht überein. Man kann aber dergleichen im Ueberflusse finden, da ihre„Schüler das, was von einem jeden von ihnen, nach ihrem Auedruck,„verbessert, das heißt, entstellt worden ist, sich mit großem Eifer eingetragen„haben. Mit diesen stimmen wiederum die Handschriften des Hermophilns„nicht übereiu. Ja, die des Apollvuides stimmen nicht einmal mit ein-ander selbst überein. Denn man kann die, welche er zuerst bearbeitet hat,„mit den später von ihm wiederum verkehrten vergleichen und man wird„sie in vielen Stücken abweichend von einander finden. Von welcher Frech-heit aber ein solches Vergehen zeugt, das können sie nicht einmal selbst ver-„kenneu. Denn entweder glanben sie nicht, daß die göttlichen Schriften„vom heiligen Geiste eingegeben worden sind und in diesem Falle sind sie„Ungläubige — oder halten sie sich selbst für weiser als den heiligen Geist
und was sind sie in diesem Falle anders, als gar Verrückte? Denn>^e können es gar nicht leugnen, daß dieß freche Unterfangen von ihnenherkomme, da die Abschriften von ihren eigenen Händen geschrieben sind,„da sie von denen, von welchen sie unterwiesen worden, keine solche empfan-den haben und da sie die Handschriften, wovon sie es abgeschrieben haben,„nicht vorzuzeigen vermögen. Einige von ihnen haben es aber nicht einmal„der Mühe werth gefunden, diese Schriften zu verfälschen, sondern Ge-hetz und Propheten geradezu verworfen und die Gnade (Z) zum Vorwande
(t) Dieser Arzt hatte nämlich auch Bücher von den Figuren der Schlüsse und vonder ganzen Philosophie geschrieben, wie wir aus dem Verzeichnis! seiner Schriften sehen.
(V Aus dieser eifrigen Beschäftigung mit mathematischen und philosophischen Wissen-schaften dürsten wir wohl nicht ohne Grund schließen, daß die Artemoniten ihre Ansichtenvorzüglich durch philosophische Gründe zu unterstützen und mit solchen die Meinungen ihrerGegner zu bestreiten suchten.
(3) Sie sagten nämlich: Wir sind nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter derGnade; wozu brauchen wir das Gesetz und die Propheten? Walch will auch noch, daß siedas Evangelium und die Offenbarung Johannis vcrworf n hätten und beruft sich dabeiauf den Epiphanius. Allein dieß mochte wohl ein Versehen seyn. Epiphanias sagt bloß,dir Ketzerei des Theodotus sey ein Slück von der Ketzerei der Alogcr, welche das Evange-lien» und die Offenbarung Johannis verwürfen. Dieß hat vcrmuthlich Gelegenheit zumVersehen gegeben. Denn sonst brauchten die Theodotianer selbst Beweise aus dem Evange-lium Johannis, wie sie denn aus Joh. 8, 40: Nun aber sucht ihr mich umzu-bringen, einen Menschen, der auch die Wahrheit sagt, schlosicn, Christus seyein bloßer Mensch. Man s. den Epiph. in der 54stcn Ketzerei. S. 463. Stroth.