M. Aurelius. Jahr Christus 179. Cleutherus. 163haben die Soldaten der sogenannten Melitenischen Legion, welche durch dasVerdienst ihres Glaubens noch von der Zeit an bis jetzt besteht, als sieschon gegen den Feind in Schlachtordnung standen, sich nach der bei unsüblichen Weise zu beten, auf die Knie zur Erde niedergelassen (1) und zuGott gebetet. Dieser Anblick schon erschien den Feinden wunderbar, abereö soll gleich darauf noch etwas viel Wunderbareres erfolgt seyn, ein Ge-witter nämlich, das die Feinde in die Flucht trieb und Verderben über siebrachte, und ein Regen, welcher daö ganze Heer, wobei die Betenden sich be-fanden und das in kurzer Zeit vor Durst hätte zu Grunde gehen müssen,ergnickte. Diese Erzählung dieser Begebenheit findet sich nicht nur bei nichtchristlichen Schriftstellein, welche die Geschichte der damaligen Zeiten be-schrieben haben, sondern ist auch von den unsrigen aufgezeichnet. Jndeßerzählen die heidnischen Schriftsteller als Leute, die unfern Glauben nichthaben, bloß das Wunder, gestehen aber nicht ein, daß es auf das Gebetder Unsrigen erfolgt sey, unsere Schriftsteller hingegen haben als Freundeder Wahrheit den Vorfall auf eine einfache, ehrliche Weise aufgezeichnet.Darunter gehört auch Apollinaris, welcher berichtet, daß die Legion, durchderen Gebet das Wunder bewirkt worden, von dieser Zeit an von dem Kaisereinen auf den Vorfall passenden Beinamen, nämlich die blitzende, in latei-nischer Sprache, erhalten habe. Einen glaubwürdigen Zeugen dieses Vor-gangs könnte auch Tertullianns abgeben, der denselben in seiner bereits obenvon uns erwähnten Schutzschrift für unfern Glauben an den römischenSenat mit einem stärkern und deutlichem Beweise bestätigt. Er schreibtnämlich darin, es seyen zu seiner Zeit noch Briefe von dem sehr erleuchtetenKaiser Markus vorhanden, worin derselbe selbst bezeuge, daß sein Heer inDeutschland aus Mangel an Wasser würde zu Grunde gegangen seyn, wennes nicht durch das Gebet der Christen erhalten worden wäre.(2) DerselbeKaiser habe auch jedem mit dem Tod gedroht, der sich unterstehen
wirkliche Thatsache zu Grunde liegt, ist nicht zu bezweifeln und wir dürfen uns den Bor-gang wohl so denken, daß, als die Römer von der Sonne r,rbrannt und von Durst ge-quält, von den Germanen eingeschlossen waren, Alles, was im römischen Heer war, Heiden,wie Christen, jene zu ihren Göttern, diese zu ihrem Gott, um Hülfe flehten. Da erfolgteein Gewitter; die Römer wurden dadurch erquickt und neu gestärkt und brachten den be-stürzten Barbaren eine vollständige Niederlage bei. Alles betrachtete diese so unverhoffteRettung als ein Wunder und Heiden und Christen schrieben jeder Thcil insbesondere fürsich diesen glücklichen Erfolg den Wirkungen ihres Gebetes zu. Was den am Schlüsseunserer Erzählung angeführten Brief des Antoninus betrifft, so ist, wenn wirklich wört-lich darinnen stand, daß der Kaiser seine Rettung dem Gebete der Christen verdanke, dieserohne Zweifel ein unterschobener gewesen. Auch findet sich wirklich noch hinter der zweitenApologie des Justinus ein Brief des Antoninus, aber in einem so barbarisch-griechischenStyl und eines gröfitcnthcils so abgeschmackten und unwahrscheinlichen Inhalts, daß dieUncchtycit desselben auf den ersten Blick in die Augen springt.
<1) Die alten Christen beteten gewöhnlich knieend, um durch diese Haltung die de-müthige Beugung der Seele vor Gott zu bezeichnen, am Sonntag aber stehend, zumZeichen, daß Gott in Christo die Menschen vom Fall aufgerichtet habe.
(2) Die Stelle, worauf Eusebius sich beruft, lautet in Tcrtullian etwas verschieden.„Zu einem Beweise," sagt er, „daß die Christen selbst unter den Kaisern Beschützer gefun-den haben, dient das Schreiben des Markus Aurelius, worin er das Bekenntnis ablegt,„daß der Regen, welcher jenen Durst im Kriege mit den Germanen gelöscht hat, viel-deicht auf das Gebet der christlichen Soldaten erlangt worden sey."
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