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Kirchengeschichte
Entstehung
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146
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Iii; Aurclius. Jahr Christus 173. Soter.

tadelten ihn sannt stillschweigend, daß er Mann und Weib zn Fortpflan.zung des Menschengeschlechts gemacht habe. Sie führten auch die Enthal-tung von animalischen Speisen, wie sie sie nannten, ein, und bewiesen sichdadurch undankbar gegen Gott, der Alles geschaffen hat, und leugnen auchdie Seligkeit des zuerst erschaffenen Menschen. Und diese Meinungen sinderst neulich bei ihnen aufgekommen. Erster Urheber dieser gotteslästerli-chen Lehre ist ein gewisser Tatianns, ein Zuhörer des Justinns; Tatiannsäußerte zwar, so lange er mit diesem Manne Umgang hatte, nichts der-gleichen, aber nach dem Tode dieses Märtyrers fiel er von der Kirche abund schuf sich von der Einbildung, ein Lehrer zu seyn, aufgeblasen undverblendet von der Meinung, er sey besser, als die andern Menschen, eineigenes Lehrsystem, fabelte, gleich der valentinischen Schule, von unsicht-baren Aevnen, nannte die Ehe eben so, wie Marcion und Satnrninus,Verderben und Hurerei (1) und brachte überdies; zuerst Beweisgründe ge-gen die Seligkeit Adams vor." So schrieb damals Irenaus. Bald daraufverlieh ein gewisser Severus der erwähnten Sekte neue Stärke und gab somitVeranlassung, daß ihre Anhänger von ihm den Namen Severianer erhielten.Diese nehmen zwar das Gesetz, die Propheten und die Evangelien an, er-klären aber den Sinn der heiligen Schrift auf eine ganz eigenthümlicheWeise. Den Apostel Paulus lästern sie und verwerfen seine Briefe; auchdie Apostelgeschichte nehmen sie nicht an. Ihr erster Stifter Tatianus hateine Zusammenstellung und Verbindung der Evangelien, (2) ich weiß nichtwie, zu Stande gebracht und dieselbe das Evangelium durch Viere genannt,welches jetzt noch bei einigen angetroffen wird. Es heißt auch, er habe sichherausgenommen, einige Worte des Apostels (Z) zn umschreiben, wie umden Ausdruck zu verbessern. TaiianuS hat eine große Menge Schriftenhinterlassen, von welchen besonders seine vielbekannte Schrift gegen dieGriechen(ä) von Vielen angeführt wird, welche als seine beste und lehr-reichste gilt. Er beweist darin, daß Moses und die hebräischen Prophetenälter sind, als alle berühmte Männer der Griechen. So weit hievon.

<1) Nach einer Stelle in seinem Buche: Von der Vollkommenheit nach demErlöser, wovon uns Klemens von Alexandrien Bruchstücke erhalten hat, behauptete ersogar, die Ehe komme vom Satan.

(2) Wie Tatianus dabei verfuhr, lernen wir aus Theoboret, Bischof von Evrus inSyrien, welcher nicht weniger als 200 Exemplare davon in seinem Sprengel zusammen-brachte und aus dem Gebrauche entfernte, kennen. Er sagt nämlich Imorot. NU,. I. 20.:Dieser Tatianus hat das Evangelium zusammengesetzt, welches durch die Viere bc-kannt wird. Er riß aber die Genealogien davon ab und alle diejenigen andern Stücke,welche den Herrn als entsprungen vom Geschlechts Davids dem Fleische nach darstellen(weil er wohl in seiner besondcrn gnostischcn Ehristologie Grund da;u hatte)." Uebrigcnsdürste es sich noch fragen, ob Tatianus sich bloß an unsere vier kanonischen Evangelien ge-halten, oder ob er nicht auch apokryxhische Evangelien dabei benutzt hat.

V) D. h. des Paulus Uebrigcns ersieht man aus dieser Stelle nicht recht, ob Tatia-nus nur den Ausdruck r.incr griechisch geben wollte oder ob er solche Veränderungen damitvornahm, wodurch die Lehren Pauli den Grundsätzen seines Systems angepaßt werden sollten.

(4) Dieß ist die einzige von seinen Schriften, welche auf uns gekommen ist.