Trajamis. Jahr Christus 198. CvarestuS. 197Christi(l) auf dieser Erde stattfinden werde. Ich glaube, daß dieser Mei-nung ein Mißverständnis; der Erzählungen der Apvstel zu Grunde liegt,indem er das , was von jenen in Sinnbildern mystisch dargestellt war, nichtgehörig verstanden hat. Denn er war offenbar sehr geistesbeschränkt, wieman ans seinen Schriften sich überzeugen kann. Gleichwohl ist er aber dochdie Ursache geworden, daß sehr viele spätere Kirchenlehrer, welche sein Al-terthnm für sich anführten, dieselbe Meinung angenommen haben, wie einIrenäns und wer sonst noch dieselbe Ansicht geäußert hat. Ueberdieß ver-leibt Papias noch andere Erzählungen der Reden des Herrn von dem obenangeführten Aristion, so wie auch verschiedene Ueberliefernngen von demPresbyter Johannes seinem Werke ein, worauf wir den wißbegierigen Leserverweisen. Hier finden wir für nöthig, den früher angeführten Stellen ausPapias noch eine Ueberliefernng über Markus, den Verfasser des Evange-liums, beizufügen, welche in seiner Schrift also lautet: „Auch dieses sagte„der Presbyter: Markus war der Dvllmetscher des Petrus und schrieb sorg-fältig alles auf, was er von diesem in das Gedächtnis; gefaßt, ohne sich an„die Ordnung zu binden bei den Reden und Thaten Christi. Denn er selbst«hatte den Herrn nicht gehört, noch war er in seinem Gefolge gewesen.„Später hatte er, wie gesagt, Umgang mit Petrus, welcher aber seinen„Unterricht nach dem Bedürfnis; seiner Zuhörer einrichtete, nicht gerade„nach einer genauen Anordnung der Aussprüche des Herrn; (2) daher Mar-„kus keinen Fehler begangen hat, wenn er Einiges so niedergeschrieben hat,„wie er sich dessen erinnerte. Denn seine einzige Sorge war nur darauf„gerichtet, nichts von dem, was er gehört hatte, zu übergehen und auch„nichts Unwahres in seiner Schrift zu sagen." Dieß erzählt Papias vonMarkus. Von Matthäus berichtet er Folgendes: Matthäus hat die Aus-„sprüche des Herrn(3) in hebräischer Sprache(ä) geschrieben; jeder aber hat„das Buch übersetzt, so gut er es vermochte." Derselbe Schriftsteller ge-braucht auch Zeugnisse ans dem ersten Brief des Johannes, so wie ansdem Petrus. Er erzählt aber auch noch eine andere Geschichte von einem
(l) Daser sich, wie aus cmem bei Zrenäus V. 33. enthaltenen Bruchstücke erhellt,höchst sinnlich dachte. Die Wcinstöcke und Getreidefelder seilten darin eine unbeschreiblichgroße Menge Früchte hervorbringen und allcThierc zahm und dem Menschen gehorsam seyn.
(2t Credner in seiner Einleitung in das neue Testament sagt lg- t, Seite 1231 inBetreff dieser Stelle: „Diese Schilderung paßt nicht auf unser Evangelium des Markus, in„welchem die evangelische Geschichte nach einer gewissen Ordnung erzählt ist. Vielmehr„erinnert diese Angabe des Presbyters an die Art und Weise, wie Petrus in den Clcmcn-„tinischcn Homilien die evangelische Geschichte anwendet. Markus muß eine unzusammcn-„hängcndc Aufzeichnung solcher Aussprüche des Petrus hinterlassen haben. Wäre Markus,„der Gefährte des Petrus, der Verfasser unseres Evangeliums in seiner gegenwärtigen Ge-„stalt, so müßte cö auch in der That befremde», daß dasselbe nicht reicher an Auskunft über„Petrus wäre." Man vergleiche auch Seite 205 derselben Schrift.
(31 Man versteht darunter gewöhnlich unser Evangelium Matthen; allein Credner inseiner Einleitung in das neue Testament, Seite 91, behauptet, es lasse sich mit großerWahrscheinlichkeit beweisen, daß diese Aussprüche des Herrn, welche Papias hatte, vonunserem Evangelium des Matthäus verschieden waren. Man sehe seine Einleitung in dasneue Testament !, 1, Seite 91 und 203.
(4) Nämlich in der Sprache der Palästinenser im Zeitalter Jesu.