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Kirchengeschichte
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Trajanus. Jahr Christus 108. Cvarestus. 101

Jechsunddreißigstes Hanptftülk.

Von Ignatius und seinen Briefen.

In ihrer Zeit war in Asien PotykarpuS berühmt, ein Schüler derApostel, welchem von den Dienern des Herrn, welche diesen selbst gesehenhatten, das Bisthnm zu Smyrna anvertraut worden war. Auch setzte sichdamals Papias, Bischof der Gemeinde zn Hierapolis, ein Mann von um-fassender Gelehrsamkeit und großer Schriftkenntniß, in Ruf,(1) so wie auchder noch jetzt bei sehr vielen gefeierte Ignatius, welcher, der zweite nachPetrus, den Bischofsstuhl zu Antiochien einnahm. Es heißt von ihm,er sey um des Zeugnisses Christi (2) willen von Syrien nach Rom gebrachtund von den wilden Thieren gefressen worden. Als er unter sehr scharferBewachung die Reise durch Asien machte, stärkte er die Gemeinden vonStadt zu Stadt, wohin er kam, durch seine mündlichen Vorträge und Er-mahnungen. Vor allem andern ermahnte er sie, sich vor den so eben auf-tauchenden und um sich greifenden Ketzereien zn hüten und schärfte ihnenein, fest an der Ueberliefernng der Apostel zn halten, welche er ihnen, dergrößern Sicherheit wegen, durch ein schriftliches Zengniß bestätigt zu hinter-lassen für nöthig hielt. Somit schrieb er denn, als er nach Smyrna kam,wo Polykarpus sich befand, einen Brief (Z) an die Gemeinde zu Ephesns,worin er ihres Hirten Onesimns gedenkt, einen zweiten, worin er einesBischofs Damas Erwähnung thnt, an die Gemeinde in Magnesia amMäander und einen dritten, worin er einen gewissen Polybius als Vor-steher anführt, an die Gemeinde in Tralles. (4) Ueberdieß schrieb Ignatiusnoch einen Brief an die Gemeinde in Rom, worin er sie dringend bittet,

(1) Die Worte: ein Mann Schriftkenntniß werde» für unecht gehalten, thcils weilsie wirklich in einigen Handschriften fehlen, thcils weil Eusebius Hauptst. 39. den Papiassehr gcistesbcschränkt nenne. Allein daß die im Ter« genannten Eigenschaften mit Geistes-bcschränktheit sich ganz gut vertragen, bedarf wohl keines Beweises.

(2) Nachdem er vorher, wie es heißt, mit Trajanus selbst eine Unterredung über denchristl. Glauben gehabt habe. Es scheint, Trajanus habe die Christen durch die Hinrich-tung eines ihrer angesehensten Lehrer schrecken wollen. Mehrere glauben, der Kaiser habeihn auf jdic Einflüsterungen der Priester, welche das furchtbare Erdbeben, das imI. Iis Antiochien heimsuchte, ihm Schuld gaben, hinrichten lassen, allein man setzt hiebetd, I. IIS nur voraus. Munter vermuthct, daß Trajanus erfahren, Ignatius sey einesder Haupter der zu jener Zeit noch nicht so genau von den damals gegen ihn eirMrtenJuden geschiedenen Christen und so habe er ihn leicht für eine» Theilnchmer an den MischenAnschlagen gegen das Reich halten können. Dann lasse sich auch erklären, warum Traja-nus, da er das Todcsurtheil über Ignatius gesprochen, ihn nicht in Antiochien habe hin-richten lagen, sondern nach Rom geschickt, um dort als ein Empörer von den wilden Thie-ren zerrissen zu werde». Es sey ibm nämlich darauf angekommen, die römische sehr zahl-reiche Judcnschaft durch die grausame Hinrichtung eines von ihm dafür gehaltenen Ober-hauptes ihrer Partei im Orient in Furcht zu jagen und von Meutereien abzuschrecken.

(3) Man hat im Ganzen noch sieben Briefe, welche dem Ignatius zugeschrieben wer-den und dieß in einer doppelten Rcccnsion, einer kürzer» und einer längern, über derenEchtheit viel gestritten worden ist.Sie sind voll hoher Begriffe von Bischofswürde, undvoll Ruhms derer, die wegen ihres Eifers für die Religion verfolgt und gctödlel worden,über wichtigere Dinge sehr seicht und armselig und passen durchaus nicht für die Vcrhalt-nige jener Zeit und für den Mann."

(4) Magnesia und Tralles waren zwei Städte in der Landschaft Karien im Südwestenvon Kleinasien. Jene führt den Beinamenam Mäander" zur Unterscheidung von Mag-nesia am Berge Sipylus in Lydien.