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Kirchengeschichte
Entstehung
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Vespasianus. Jahr Christus 70. Linus. 75

gedrungen fühlen, daß sein Vorherwissen und Vorhersagen wahrhaft göttlichund über alle Maßen außerordentlich gewesen sey? Darüber nun, was nachdem Leiden unseres Erlösers und nach jenem Geschrei, womit der jüdischePöbel den Räuber und Mörder vom Tode losbat, den Fürsten des Lebensaber aus seiner Mitte zu nehmen flehte , das ganze Volk betroffen hat,dürfte weiter nichts mehr zu den Erzählungen des Josephus beizusetzen seyn:das aber noch muß hier angeführt werden, was als sprechender Beweis derMenschenfreundlichkeit der allgütigen Vorsehung dienen kann, daß ste nochäv ganzer Jahrs nach dem Frevel gegen Christus das über ste verhängte Ver-derben aufschob, während welcher Zeit mehrere von seinen Aposteln undJüngern, namentlich Jakobus selbst, der erste Bischof zu Jerusalem, wel-cher der Bruder unseres Herrn genannt wurde, noch am Leben waren, inder Stadt Jerusalem selbst sich aufhielten und dadurch gleichsam die stärksteSchutzwehr für den Ort bildeten und daß nicht nur die göttliche Regierungbis dahin Langmuth bewies, ob sie etwa Neue über ihr Verbrechen empfindenund der Verzeihung und Rettung theilhaftig werden möchten, sondernihnen auch noch auffallende Vorzeichen dessen, das im Falle der Nichtreueüber sie ergehen sollte, erscheinen ließ. Da der mehrfach angeführte Ge-schichtschreiber auch diese des Aufbewahrens werth gehalten hat, so dürftees das Beste seyn, seine Nachrichten unsern Lesern hier mitzutheilen.

A ch trs H a u p t st ü ck.

Bon den Zeiche» vor dem Kriege.

Bei ihm finden wir, wenn wir sein sechstes Buch (1) aufschlagen,Folgendes:Die Verführer und falschen Propheten verführten damals das«unglückliche Volk. Aufdie deutlichen, dieVerwüstung vorher verkündigendenZeichen jedoch achteten sie ste nicht, noch glaubten sie daran, sondern wie«betäubt, als ob ste weder Seele noch Augen hätten, ließen sie die Warnun->,gen Gottes unbeachtet, sowohl als ein einem Schwerte ähnlicher Stern überder Stadt stand und ein Komet bei einem Jahre am Himmel blieb, als«auch, als noch vor der Empörung und vor den ersten Kriegsbewegungeu,«wie das Volk beim Feste der ungesäuerten Brode versammelt war, amR April um die neunte Stunde der Nacht ein so gewaltiges^ Licht bei einer«halben Stunde den Altar und den Tempel umstrahlte, daß man glaubte,«es sey Heller Tag. Die Unerfahrenen sahen zwar ein gutes Vorzeichen in«dieser Erscheinung, allein die Schriftgelehrten hielten sie sogleich für eine«Vorbotin dessen, was später wirklich erfolgte. An demselben Feste brachte«eine Kuh, welche der Hohepriester zum Opfer geführt, mitten im Tempelein Lamm zur Welt. Die östliche Pforte des innern Vorhvss, die doch von«Erz und von ungeheurem Gewicht war und des Abends von 20 Männern

(t) Im fünften Hnuptftuck.