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Kirchengeschichte
Entstehung
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73
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Vespastauus. Jahr Christus 70. Linns. 7Z

Belagerung mit aushalten mußte. Dieser hatten die Unmenschen all ihrEigenthum, so viel sie dessen aus Peräa in die Stadt mitgebracht hatte,genommen und den Rest ihrer Kleinodien und was etwa noch an Lebens-rnitteln zum Borschein kam, entrissen ihr täglich die hereinstürzenden Tra-banten der Tyrannen. Da ergriff das Weib eine große Entrüstung undsie suchte mehr als einmal die Räuber durch Schmähungen und Verwüu->,schungen gegen sich zu reizen. Wie indessen weder Zorn noch Mitleid,sie zu tödten, einen derselben bewegen konnte, sie aber, für Andere Speiseanzuschaffen, es eben so satt hatte, als auch überhaupt alle Möglichkeit,nur noch solche zu finden, abgeschnitten war, und ihr der Hunger in Markund Eingeweiden wüthete und noch rasender als der Hunger die Erbitte-rung sie entflammte, da nahm sie den Zorn und die Roth zu Rathgcbcrnund schritt zum Unnatürlichcu. Sie ergriff ihr Söhnchen, noch einenSäugling. Unglückliches Kind, sprach sie, wozu soll ich dich unter Krieg,Hunger und Aufruhr aufbewahren? Bei den Römern ist nur Knechtschaftunser LovS, wenn sie uns auch am Leben lassen; doch auch dieser kömmt derHunger zuvor und ärger als beide sind die Rottirer. Darum wohlan,werde mir zur Speise, den Rottirern zum Nachegeiste (1) und der Welteine Fabel, die uns allein noch zu den Unglücksfällen der Juden fehlte!Mit diesen Worten tödtete sie ihr Svhnchcn, kochte es sodann und verzehrtdie eine Hälfte davon, die andere aber bedeckt und bewahrt sie auf. Balddarauf erschienen die Rottirer, welchen nicht sobald der frevelhafte Geruchin die Nase drang , als sie dem Weibe mit augenblicklichem Tode drohten,wenn sie nicht entdecke, was sie bereitet. Das Weib entgegnete, siehabe ihnen noch ein schönes Stück davon aufbehalten und deckte mitdiesen Worten die Ueberreste des Kindes auf. Bei diesem Anblicke ergriffaugenblicklich Schaudern und Entsetzen die Rottirer und wie vom Schlagegerührt standen sie da. Das Weib aber sprach weiter: Mein ist dasKind, mein ist auch die That. Esset, denn auch ich habe davon gegessen.Seyd doch nicht weicher als ein Weib, nicht gefühlvoller als eine Mutter.Seyd ihr aber zu gewissenhaft und schaudert euch vor meinem Opfer, nunso bleibe mir, die ich die eine Hälfte gegessen, auch die zweite. Nachdiesen Worten liefen sie zitternd davon, nur in diesem einzigen Stückeschwach, und doch ließen sie der Mutter eine solche Mahlzeit nur ungern. Dieganze Stadt war bald voll von diesem Greuel, jeder stellte sich die Unthatlebhaft vor Augen und schauderte davor, als wäre sie in seinem eigenenHanse vorgefallen. Der Ueberrest der mit dem HnngerKämpfenden suchte nunalles Ernstes den Tod und glücklich wurden die Vorangegangenen gepriesen,eheste solchen Jammer sehen und hören mußten." Solches war der Lohn derJuden für die an dem Christ Gottes begangene Missethat und Gottlosigkeit.

(t) Nack) der Vorstellung, baß die Seelen der Umgebrachten diejenigen, welche diemeiste Schnld an deren Tode gehabt, als Furien quälten. Stroth.