Nero. Jahr Christus 62. 61
„gegeben haben; auf, lasset uns hinaufgehen und ihn hinabwerfen, damit„sie sich fürchten und ihm nicht glauben! Und sie riefen und schrien: O! o!„auch der Gerechte steckt im Jrrthum, und erfüllten den Ausspruch der„Schrift bei Jesaias: (1) »Lasset uns den Gerechten aus dem Wege schaffen,„denn er ist uns hinderlich; sie werden aber die Frucht ihrer Werke genießen."„Sie gingen demnach hinauf, warfen den Gerechten herab und sprachen zu„einander: Lasset uns Jakobus den Gerechten steinigen. Und sie begannen„ihn zu steinigen. Denn er war des Herunterstürzens ungeachtet noch nicht»todt, sondern hatte sich umgewandt und betete auf den Knien liegend: Ich„bitte dich, Herr Gott Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie„thun. Während sie ihn nun so steinigten, rief einer von den Priestern von„den Söhnen Rechab des Sohnes Nechabim, von welchem der Prophet Jere-„mias Zeugniß ablegt: Haltet ein! Was macht ihr? Der Gerechte betet für„euch. Da nahm einer von ihnen, ein Walker, ein Holz, womit er die„Kleider auspreßte, und schlug damit den Gerechten auf den Kopf. Auf„diese Art fand Jakobus den Märtyrertod. Sie beerdigten ihn auf dem-„selben Platze und noch jetzt ist sein Grabmahl bei dem Tempel zu sehen.„Dieser Jakobus ist Juden und Griechen ein wahrhafter Zeuge geworden,„daß Jesus der Messias ist. Kurz darauf überzog Vespasianus Judäa mitKrieg und führte seine Einwohner in die Gefangenschaft." Dieses erzähltausführlich Hegesippus in Uebereinstimmung mit Klemens. Jakobus aberstand in einem solchen Ansehen und in einem solchen Rufe wegen seiner Gerech-tigkeit bei allen, daß auch die Verständigern unter den Juden glaubten, daß seinMärtyrertod die Ursache der bald darauf erfolgten Belagerung von Jerusa»lem gewesen und daß diese aus keinem andern Grunde erfolgt sey, alswegen der an Jakvbus begangenen Blutschuld. Josephus wenigstens trägtkein Bedenken, auch dieses schriftlich zu behaupten, wenn er sagt: „Dieses„betraf die Juden zur Strafe dessen, was sie an Jakobus dem Gerechten,»welcher war ein Bruder Jesu, des sogenannten Christus, gefrevelt. Denn„ihn hatten die Juden, obwohl er ein sehr gerechter Mann war, getödtet."Derselbe Geschichtschreiber erzählt auch des Jakobus Tod im 20sten Bucheseiner Alterthümer (2) auf folgende Weise: „Der Kaiser schickte, als er„Nachricht von dem Tode des Festus erhalten, den Albuins als Landpfleger»nach Judäa. Nun war der jüngere Hannas, von dem wir schon erzählt„haben, daß er die Hohepriestcrwürde erhalten, ein außerordentlich kecker„und verwegener Mann und hing der Sekte der Sadducäer an, welche, wie„schon erzählt, in ihren Urtheilen grausamer als alle andern Juden sind.«Hannas glaubte vermöge seiner Denkungsart durch den Umstand, daß„Festus gestorben und Albinus noch unterwegs war, einen seine Absichten„fördernden, schicklichen Zeitpunkt zu haben, berief deßwegen eine Versamm-lung der Richter zusammen und ließ den Bruder Jesu, des sogenannten
(t) Jcs. 3, tv.
(2) Im »cuntcn Hauptstück.