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Kirchengeschichte
Entstehung
Seite
59
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Nero. Jahr Christus 59- 62.

Dreiundz wanzigstes Haupt stück.

Wie Jakobus, welcher ein Bruder des Herr» heißt, den Märtprcrtod erlitten hat.

Da Paulus an den Kaiser appellirt hatte und von Festns nach derStadt Rom geschickt worden war, so wandten die Juden, als sie sich inihrer Erwartung in Betreff der Nachstellungen, welche sie dem Paulusbereiteten, getäuscht sahen, ihre Wuth gegen JakobnS, den Bruder desHerrn, dem von den Aposteln der bischöfliche Stuhl zu Jerusalem anver-traut worden war. Sie unternahmen Folgendes wider ihn. Sie führtenihn mitten in die Versammlung und verlangten von ihm Ableugnnng desGlaubens an Christum vor allem Volke. Wie aber Jakobus wider Ver-muthen mit fester Stimme und mit größerer Freimnthigkeit, als sie er-wartet hatten, vor dem ganzen Volke sprach und bekannte, unser Erlöserund Herr Jesus Christus sey Gottes Sohn , da vermochten sie das Jeuginßeines Mannes nicht länger zu ertragen, der wegen der Vollkommenheitseines sittlichen Charakters und seiner Gottesfurcht allgemein für den gerech-testen gehalten wurde, und tödteten ihn. Gelegenheit zu dieser eigenmäch-tigen Handlung (1) gab ihnen der Umstand, daß Jndäa ohne Landpflegerwar; denn Festns war um diese Zeit in diesem Lande gestorben und dieProvinz befand sich somit ohne oberste Leitung und ohne Landpflsger. DieArt und Weise, wie Jakobns endete, habe ich zwar schon früher ans Kle-mens (2) angeführt, nämlich, daß er von der Spitze des Tempels herabge-stürzt und mit einem Prügel zu Tode geschlagen worden sey. Jndcß amgenauesten erzählt das Schicksal des Jakobns HegesippuS, der zunächst andem Zeitalter der Apostel lebte, im fünften Buche seiner Nachrichten, woer Folgendes berichtet:Es übernahm aber in Vereinigung mit den Apo-stcln die Leitung der Gemeinde der Bruder des Herrn, Jakobns, der zurUnterscheidung von vielen andern Männern gleichen Namens von den Zei-ten des Herrn bis auf uns der Gerechte genannt worden ist. Dieser warschon von Mutterleib an heilig. Er trank weder Wein noch sonst ein gei-ziges Getränk, noch er etwas ans dem Thierreiche. Ein Schcermesserkam nie ans seinen Kopf, er salbte sich weder mit Oel, noch nahm er einBad. Ihm allein war es verstattet, in das Heilige einzugehen. Denn ertrug kein wollenes, sondern ein leinenes Gewand. Er ging immer alleinin den Tempel, wo man ihn auf den Knien liegend und Gott für das Volkum Vergebung bittend finden konnte. Weil er immer auf den Knien lagund so zu Gott betete und für das Volk um Vergebung bat, so waren die-selben verhärtet, wie die eines Kameels. Wegen seiner außerordentlichen

(1) So nennt Eusebius die Hinrichtung des Lakobus, weil die Juden in den letztenZeiten ihres Staates das Recht, Todesstrafen zu verhängen, verloren hatten lman seheLoh. 18, 31 und daselbst die Ausleger). Die Steinigung des Stephanus war ein ganztumultuarischcr Akt.

(2) Siehe oben Hauptstück 1.