56 Nero. Jahr Christus 55—66.
über ganz Samaria, Galiläa und über das sogenannte Percäa(l)setzte. Nachdem Klaudius 15 Jahre und 8 Monate regiert hatte, starber und hinterließ zu seinem Nachfolger in der Regierung den Nero.
Zwanzigstes Hauptstück.
Was unter Nero zu Jerusalem vorgefallen.
Unter der Regierung des Nero, als Felix Landpfleger von Judäa war,brach eine Parteiung nnter den Priestern gegen einander aus, welche Jo-sephus im 20sten Buche seiner Alterthümer also erzählt: „Es entbrannte„aber auch Streit von Seiten der Hohenpriester gegen die Priester und„die Vornehmsten der Einwohnerschaft von Jerusalem. Jeglicher von ihnen„sammelte sich einen Haufen der kühnsten und neuerungssüchtigsten Men-schen und stellte sich an ihre Spitze. Wenn sie nun zusammenstießen, so„schimpften sie einander und warfen sich mit Steinen. Es war Niemand„da, der sie zurecht gewiesen hätte, sondern es wurde dieß ganz nach Will-kür, wie in einer in anarchischem Zustande befindlichen Stadt, verübt.„Die Schamlosigkeit und Frechheit der Hohenpriester ging so weit, daß sie„sich nicht entblödeten, Knechte auf die Tennen zu schicken, um den den Prie-„stern gebührenden Zehnten wegzunehmen. Daher kam es, daß man die„dürftigern Priester vor Mangel umkommen sah. So sehr ging die Ge-„waltthätigkeit der Ruhestörer über alles Recht.« Derselbe Geschichtschrei,ber erzählt ferner, (5) daß zu der damaligen Zeit eine gewisse Art Räuberzu Jerusalem aufgetreten sey, welche bei Hellem Tage, sogar inmitten derStadt, die ihnen Begegnenden tödteten. Besonders aber mischten sie sichan Festtagen, mit kleinen Dolchen unter ihrer Kleidung, unter das Volkund durchbohrten damit die angesehensten Männer. Fielen diese, so warendie Mörder selbst mit unter denen, welche ihre Entrüstung darüber äußerten,und weil man im geringsten kein Mißtrauen in sie setzte, so blieben sieallemal unentdeckt. Der erste, der als ihr Opfer fiel, war der HohepriesterJonathan, hernach aber wurden täglich viele andere getödtet und die Furchtwurde zuletzt noch schrecklicher, als das Uebel selbst, da Jeder wie im Kriegestündlich seinem Tod entgegensehen mußte.
welches die Tctrarchie des Philippus gewesen war. Auch schenkte er ihm das Reich desLysanias nebst der Gerechtsame über den Tempel und die Erwählung der Hohenpriester,welches sein Oheim Hcrodcs gehabt hatte. Nach einiger Zeit legte ihm Nero noch einenTheil von Galiläa bei. Valcsius. Man sehe das fünfte Kapitel des 2vstcn Buches derjüdischen Alterthümer des Josephus, woraus diese Nachricht genommen ist. Stroth.
(1) Eine jenseit des Jordans liegende Provinz Palästinas.
(2) Am Ende des Hauptstücks.
(3) Vom jüdischen Kriege, B. 2, Hauptst. 13.