5V Klaudius. Jahr Christus 46.
gleich in den ersten Anfängen die Menge der gläubig gewordenen Männerund Weiber, welche die strengste religiöse Lebensart beobachteten, daß Philoes der Mühe werth hielt, ihre Beschäftigungen, ihre Zusammenkünfte, ihregemeinschaftlichen Mahlzeiten und ihre ganze übrige Lebensartzu beschreiben.
Siebzehntes Hauptstück.
Was Philo von Vcn Asketen hl) in Aegypten erzählt.
Man erzählt auch, daß dieser Philo zu den Zeiten des Klaudius mitPetrus, welcher den Einwohnern Roms damals das Evangelium predigte,in dieser Stadt zusammengekommen sey. (2) Und dicß dürfte auch nicht soganz unwahrscheinlich seyn, da die Schrift, wovon wir reden, welche erstspäter und geraume Zeit nachher von ihm abgefaßt worden ist, ganz offen-bar die auch noch bis jetzt bei uns geltenden Kirchenregeln enthält. Undda er auch die Lebensart unserer Asketen (5) so genau als möglich beschreibt,so dürfte man daraus wohl mit vollem Recht schließen, daß er die zu seinerZeit lebenden apostolischen Männer, welche, wie es scheint, hebräischer Ab-kunft waren und deßhalb größtentheils die alten jüdischen Sitten mit äugst,licher Strenge beobachteten, nicht bloß gesehen hat, sondern auch ihnenbeistimmt, weil er sie bewundert und erhebt. Nachdem er in seiner Schrift:Von dem beschaulichen Leben oder von den Betenden, gleichanfangs die Versicherung gegeben hat, daß er in derselben nichts gegen dieWahrheit von seinem Eigenen Hinzuthun werde, bemerkt er, daß diese Leute,Pflegerund ihre Weiber Pflegerinnen (4) genannt werden. Er fügt (5)als Ursache dieser Benennung hinzu, entweder, weil sie die Seelenderer, welche mit ihnen in Verbindung treten, gleich den Aerzten von denbösen Leidenschaften befreiten und ihrer pflegten und sie heilten oder weilsie der Gottheit durch einen reinen und aufrichtigen Dienst pflegten.Ob indes; Philo selbst ihnen diesen Namen als einen ihrer Lebensart ent-sprechenden gegeben oder ob sich ihre ersten Stifter wirklich selbst so genannthaben, da der Christenname noch nicht überall bekannt war, darüber bedarfes hier keiner weitern Untersuchung. Dem sey, wie ihm wolle, so bezeugtPhilo, daß sie vor allem Andern ihrem Vermögen entsagen. Wenn sie
(.1) Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, baß Philo in seiner in diesem Hauptstückgegebenen Schilderung der Therapeuten von nichts weniger als von den Christen redet,so sehr sich auch Eusebius dicß zu erweisen anstrengt.
(2) Aus dieser Sage — denn weiter ist es nichts, da Petrus nach den bewährtestenNachrichten unter Klaudius gar nicht nach Rom gekommen ist — fabelte man noch ipätcr,Philo sey zum Christcnthum übergetreten, habe es aber aus gewisien Gründen wiederverlassen.
(3) Unter diesen, Namen werden solche Christen verstanden, welche entweder alleinoder in Gesellschaft mit Gleichgesinnten besondere Ucdungcn der Frömmigkeit durch Fasten,Beten, Wachen, Kasteiungcn u. s. w. anstellten.
(4) Therapeuten und Thcrapeutridcn im Griechischen.
sb) pkilo culit, AliMFez'. p. 47t. 472.