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Kirchengeschichte
Entstehung
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29
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Til'erius. Jahr Christus 30-52. 2V

ans der Zahl der 70 Junger Christi, auf göttlichen Antrieb nach Edessa,NM dasell'si die Lehre Christi zu verkündigen nnd zu predigen, und durch diesenging Altes, waö Christus versprochen hatte, in Erfüllung. Man hat davonein geschriebenes Zeugniß, welches dem Archive zu Edessa, welche Stadtdamals von einem Könige beherrscht wurde, (1) entnommen ist. Denn inden dortigen öffentlichen Akten, in welchen unter andern alten Begeben-heiten auch die des Abgarus enthalten sind, wird auch dies; noch bis aufunsere Zeit erhalten gefunden. Das Beste ist, die Briefe (2) selbst zu hören,welche wir ans dem Archive bekommen und auf folgende Art wörtlich ausdem Syrischen überseht haben.

Abschrift des Briefes, welchen der Fürst Abgarusan Jesus geschrieben und durch den Schnellläufer Ana-nias an ihn nach Jerusalem geschickt hat.

Abgarus, Fürst in Edessa, entbietet Jesu, dem guten Heiland, derim Lande um Jerusalem erschienen ist, seinen Gruß. K.ch habe von Dirund Deinen Heilungen gehört, daß sie ohne Arzneien und Kräuter von Dirverrichtet werden. Denn Du machest, sagt man, Blinde sehen, Lahmegehen, reinigest die Aussätzigen, treibest unreine Geister und Dämonen aus,heilest die von langwierigen Krankheilen Gequälten und auferweckest dieTodten. Da ich nun alle diese Dinge von Dir gehört habe, so habe ich beimir selbst geschlossen, Eines von beiden müsse wahr seyn, Du seyest ent-weder Gott, und vom Himmel herabgestiegen, solche Thaten zu thnn oderder Sohn Gottes, daß Du solche Thaten verrichtest. Ich ersuche Dich alsodurch dieses Schreiben, Du möchtest Dich zu mir bemühen nnd mich vonmeinem Leiden befreien. Denn ich habe gehört, daß die Juden sich widerDich aufhalten und Dir Böses zufügen w»llen. Ich habe eine zwar kleine,aber artige Stadt, die wird für uns beide groß genug seyn."

(1) Die Herrschast der Abgarcn hatte von Osrocne, der dem Lande einen neuen Namengab (nämlich Osrocne), bis zum letzten Abgarus 353 Jahre bestanden, als Karakalla diesendurch Treulosigkeit in seine Gewalt bekam, seine Staaten zu einer römischen Provinz machteund die Hauptstadt mit dem Titel einer Kolonie beehrte, ohne daß sie wieder einen eigenenKönig bekommen hätte.

(2) Ucbcr diesen Briefwechsel zwischen Abgarus und Christus äußert sich Neandcr inseiner Kirchengeschichte (I. 1., >>. III) also:Die alte Erzählung von dem Briefwechseleines der Könige des kleinen Reiches Edessa in Osrocne in Mesopotamien aus der Dynastieder Abgarus oder Agbaru, des Abgar Uchomo, mit dem Erlöser, den er um Heilung einerschweren Krankheit gebeten haben soll, so wie dessen Bekehrung durch einen der 70 Jün-ger, Thaddäus, verdient keinen Glauben. Eusebius fand die Urkunden, aus denen erschöpfte, in dem Archwe von Edessa und ließ sich durch dieselben täuschen. Der BriefChristi ist seiner aufkcinc Weise würdig, er trägt durchaus das Gepräge einer Zusam-mcnstcppclung aus vielen evangelischen Stellen. Es läßt sich auch gar nicht denken, daßetwas von Christo selbst Geschriebenes so lange, bis auf Eusebius, der übrigen Welthätte unbekannt bleiben können. Endlich ist der Brief des Abgarus nicht in der Spracheeines orientalischen Fürsten abgefaßt. Ob der Erzählung sonst etwas Wahres zum Grundeliegt, können wir nicht wissen, und ist nur gewiß, daß das Christcnthum frühzeitig indieser Gegend ausgebreitet worden; doch erst zwischen den Jahren 1t>0170 finden sichSpuren von dem Christcnthum eines jener Fürsten, des Abgar Bar Manu." Ich be-merke noch, daß schon auf dem Concilium zu Rom unter Gelasius im Jahr 494 diesebeiden Briefe mit vielen andern untergeschobenen Schriften unter die Apokryph« gesetzt wurden.