Til'erius. Jahr Christus 30-52. 2V
ans der Zahl der 70 Junger Christi, auf göttlichen Antrieb nach Edessa,NM dasell'si die Lehre Christi zu verkündigen nnd zu predigen, und durch diesenging Altes, waö Christus versprochen hatte, in Erfüllung. Man hat davonein geschriebenes Zeugniß, welches dem Archive zu Edessa, welche Stadtdamals von einem Könige beherrscht wurde, (1) entnommen ist. Denn inden dortigen öffentlichen Akten, in welchen unter andern alten Begeben-heiten auch die des Abgarus enthalten sind, wird auch dies; noch bis aufunsere Zeit erhalten gefunden. Das Beste ist, die Briefe (2) selbst zu hören,welche wir ans dem Archive bekommen und auf folgende Art wörtlich ausdem Syrischen überseht haben.
Abschrift des Briefes, welchen der Fürst Abgarusan Jesus geschrieben und durch den Schnellläufer Ana-nias an ihn nach Jerusalem geschickt hat.
„Abgarus, Fürst in Edessa, entbietet Jesu, dem guten Heiland, der„im Lande um Jerusalem erschienen ist, seinen Gruß. K.ch habe von Dir„und Deinen Heilungen gehört, daß sie ohne Arzneien und Kräuter von Dir„verrichtet werden. Denn Du machest, sagt man, Blinde sehen, Lahme„gehen, reinigest die Aussätzigen, treibest unreine Geister und Dämonen aus,„heilest die von langwierigen Krankheilen Gequälten und auferweckest die„Todten. Da ich nun alle diese Dinge von Dir gehört habe, so habe ich bei„mir selbst geschlossen, Eines von beiden müsse wahr seyn, Du seyest ent-„weder Gott, und vom Himmel herabgestiegen, solche Thaten zu thnn oder„der Sohn Gottes, daß Du solche Thaten verrichtest. Ich ersuche Dich also„durch dieses Schreiben, Du möchtest Dich zu mir bemühen nnd mich von„meinem Leiden befreien. Denn ich habe gehört, daß die Juden sich wider„Dich aufhalten und Dir Böses zufügen w»llen. Ich habe eine zwar kleine,aber artige Stadt, die wird für uns beide groß genug seyn."
(1) Die Herrschast der Abgarcn hatte von Osrocne, der dem Lande einen neuen Namengab (nämlich Osrocne), bis zum letzten Abgarus 353 Jahre bestanden, als Karakalla diesendurch Treulosigkeit in seine Gewalt bekam, seine Staaten zu einer römischen Provinz machteund die Hauptstadt mit dem Titel einer Kolonie beehrte, ohne daß sie wieder einen eigenenKönig bekommen hätte.
(2) Ucbcr diesen Briefwechsel zwischen Abgarus und Christus äußert sich Neandcr inseiner Kirchengeschichte (I. 1., >>. III) also: „Die alte Erzählung von dem Briefwechsel„eines der Könige des kleinen Reiches Edessa in Osrocne in Mesopotamien aus der Dynastie„der Abgarus oder Agbaru, des Abgar Uchomo, mit dem Erlöser, den er um Heilung einer„schweren Krankheit gebeten haben soll, so wie dessen Bekehrung durch einen der 70 Jün-„ger, Thaddäus, verdient keinen Glauben. Eusebius fand die Urkunden, aus denen er„schöpfte, in dem Archwe von Edessa und ließ sich durch dieselben täuschen. Der Brief„Christi ist seiner aufkcinc Weise würdig, er trägt durchaus das Gepräge einer Zusam-„mcnstcppclung aus vielen evangelischen Stellen. Es läßt sich auch gar nicht denken, daß„etwas von Christo selbst Geschriebenes so lange, bis auf Eusebius, der übrigen Welt„hätte unbekannt bleiben können. Endlich ist der Brief des Abgarus nicht in der Sprache„eines orientalischen Fürsten abgefaßt. Ob der Erzählung sonst etwas Wahres zum Grunde„liegt, können wir nicht wissen, und ist nur gewiß, daß das Christcnthum frühzeitig in„dieser Gegend ausgebreitet worden; doch erst zwischen den Jahren 1t>0—170 finden sich„Spuren von dem Christcnthum eines jener Fürsten, des Abgar Bar Manu." Ich be-merke noch, daß schon auf dem Concilium zu Rom unter Gelasius im Jahr 494 diesebeiden Briefe mit vielen andern untergeschobenen Schriften unter die Apokryph« gesetzt wurden.