2tt Tibenus. Jahr Christus 30.
mäßig angetrauten Frau geheirathet worden sey. Dieß war eine Tochterdes Aretas, des Königs der Peträer. Die Herodias aber hatte Herodesihrem noch lebenden Manne entführt. Um ihretwillen ließ er den Johanneshinrichten und bekam einen Krieg mit Aretas wegen der dessen Tochter zuge-fügten Beschimpfung. Als es in diesem Kriege zur Schlacht kam, verlor,wie Josephus erzählt, Herodes sein ganzes Heer und dieser Unfall traf ihnwegen der gegen Johannes verübten Grausamkeit. Derselbe Josephus legtauch von dem Täufer Johannes das Zeugniß ab, daß er ein äußerst tugend-hafter Mann gewesen sey, und stimmt somit mit den Nachrichten unsererEvangelien überein. Er erzählt auch, daß Herodes um eben dieser HerodiaSwillen entthront und mit ihr in die Verbannung geschickt und verurtheiltworden sey, seinen Wohnsitz zu Vienna(l) in Gallien zu nehmen. DieseNachricht theilr Josephus im 18ten Buche seiner Alterthümer(2) mit, woer von Johannes wörtlich also schreibt: »Manche Juden glauben, daß das„Heer des Herodes von Gott zu Grunde gerichtet worden sey, der ihn wegen»der Hinrichtung des Täufers Johannes mit dieser gerechten Strafe heim->,gesucht liabe. Denn HerodcS hatte diesen trefflichen, tugendhaften Mann„tödten lassen, der die Juden ermahnte, der Tugend sich zu befleißigen,„Gerechtigkeit gegen einander zu üben und Frömmigkeit gegen Gott zu„beweisen und so die Taufe zu empfangen. Dann erst, sagte er, würde ihm„die Taufe augenehm scyn, wenn sie sich derselben nicht zur Entsündigung„von gewissen Vergehen, sondern zur Reinigung des Körpers bedienen würden„als ein Zeichen, daß ihre Seele schon vorher durch Tugend gereinigt worden„sey. Da nun viele Menschen sich um ihn versammelten (denn sie fanden„ungemeines Gefallen an dem Hören seiner Worte), so befürchtete HerodeS,„sein gewaltiger Einfluß auf die Leute möchte zu einem Aufstande führen„(weil sie Alles nach seinem Raths thun zu wollen schienen). Er hielt es„daher für viel gerathener, ehe eine Bewegung von ihm ausginge, dieser„durch seine Hinrichtung zuvorzukommen, als später Reue zu empfinden, wenn„er nach einer vorgefallenen Veränderung sich in der größten Roth befände.„Johannes wurde demnach wegen dieser Bcsorgniß des Herodes in Fesseln„auf die Burg Machärus(Z) gebracht und daselbst hingerichtet." Dieß
(t) Eusebius verwechselt hier de» Herodes mit dem Archclaus. Denn letzterer wurde»ach Menne, Herodes aber nach Lugdunum (Lyon) verwiesen, wo er auch in dürftigenUmständen starb.
(2) Im fünften Hauptstüö.
(3) Eine auf einem schroffen Felsen gelegene, durch Natur und Kunst sehr feste Burg,drei Stunden östlich vom tobten Meere an der arabischen Grenze.
Die Echtheit dieser von Christus handelnden Stelle hat in neuerer Zeit eben so vieleBezweifle» und Bestreite», als Vcrtheidigcr gefunden, deren Namen und Gründe aberhier anzuführen nicht der Ort ist (man findet sie unter Anderem in Gieselers Kirchen-gcschichte I, l., S. 72 und 73, 2te Auflage und in Heinichens erstem Exkurs zuEusebius). Am wahrscheinlichsten ist wohl, daß die Stelle zwar nicht ganz unecht,sondern intcrpolirt sey und daß die Interpolationen durch die aus denselben entnommenenCitationcn sich in alle Handschriften des Josephus einschlichen, da Josephus allein vonChristen gelesen und durch Abschriften vervielfältigt wurde. Gicseler glaubt, nur folgendeWorte seycn echt: „Um diesebe Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, der wunderbare„Lihatcn verrichtete und bewirkte, daß viele Juden, aber auch eine Menge Heiden stch