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Carl Herwig v. Zwehl berichtet:
„Den Verlust des linken Rheinufers und der Stadt Mainz, sowie den Reichs-Krieg widerdie Franzosen haben Begebenheiten veranlasst, die nicht zur öffentlichen Kenntnis gekommensind und auch nicht kommen konnten und die ich daher mit wenigen Worten zur Nachrichtfür die Zukunft niederschreiben will.
Die ersten Volksunruhen in dem Stifte Lüttich und nachher in dem gräflich Leyischenauf dem linken Rheinufer im Jahre 1789 beunruhigten unseren letztverstorbenen weisen Kur-fürsten Friedrich Karl und riefen die Besorgnis in ihm hervor, dass solche, wenn sie nicht inihrer ersten Aufwallung unterdrückt würden, die Grundsätze der französischen Empörung auchin den angrenzenden geistlichen Staaten verbreiten, und alle die Uebel über die Landes- undRegierungs-Verfassung, Geistlichkeit und Adel herbei führen würden, welche der schwärmerischeFreiheits- und Gleichheits-Taumel in Frankreich in der Folge über dieses Land ausgeschüttet hat.
Friedrich Karl war von der Natur mit einem Herrschergeist ausgerüstet, der sich aufdas vortheilhafteste hätte betliätigen können, wenn das Schicksal ihn auf einen grösseren Schau-platz und nicht in die engen Grenzen des Kurfürstenthums Mainz gesetzt hätte. In diesemengen Räume stiessen seine gigantischen Ideen von seiner politischen Würde und KöniglichenGrösse überall an. Das im teutschen Reich so beliebte Sprichwort, „unter dem Krumm st abist gut wohnen" war nur in soweit wahr, wenn ein Fürst sein und seiner Untertlianen Wohlvernünftig zu beherzigen verstand. In seiner Lage hatte er für nichts als für gute Finanzen,strenge Justiz und eine wachsame Polizei zu sorgen; mit diesen drei Bundesgenossen konnte er,als ein an den gesegneten Rheinufern wohnender Fürst und seine glücklichen Untergebenennicht allein zufrieden, sondern in dem grössten Ueberfluss leben. Allein, sobald der stolze Ge-danke Herr und Meister wurde, dass der geistliche Hof dieser Fürsten in dem Nimbus eineszahlreichen buntscheckigen Militärs *) glänzen müsse, welches die Landeskassen erschöpfte, wurdedas oben bemerkte Sprüchwort zur Lüge. Schwer lastet dieser Vorwurf auf den Ratschlägen desverschwenderischen ersten Staatsministers Grafen von Sickingen unter der Regierung FriedrichKarls. Unvergesslich sind die Tage wo nach der Krönung des Kaisers Franz mit diesem Mo-narchen und dem Könige von Preussen der Kurfürst in dem Zirkel französischer Prinzen undEmigranten die prunkvollen Feste in der Favorite bei Mainz feierte. Hier wurde das ersteManifest des Herzogs von Braunschweig ausgebrütet, und von dem Kaiserlichen Rat Spielmannin empörenden Ausdrücken entworfen. Hier wurde bei der projektirten Vertheilung der fran-zösischen Provinzen unserem guten Friedrich Carl das pfälzische Oberamt Alzey und Oppenheimzu seinem Antheil zugesichert, wofür die Kurpfalz mit französischen Provinzen entschädigt werdensollte. Alle hierüber entstandenen Protokolle habe ich auf Befehl theils selbst verfasst, tlieils ab-geschrieben. Mündlich wurde verabredet, dass bei Eröffnung des Feldzuges wider die französischenSansculotten die Stadt und Festung Mainz mit 1000 Mann Kaiserlicher Truppen besetzt werdensolle. In Verfolg dieser Uebereinkunft erhielt unser Kurfürst aus dem Wiener Kabinet einKaiserliches Schreiben, in welchem die Worte vorkamen: „Da wir nun gesonnen sind unsereReichsfestung".... Dieses war in den Ohren Friedrich Carls eine unverzeihliche Beleidigung.Nein, war die Antwort, es ist meine und keine Reichsfestung, und ich leide nunmehr nicht, dassein Mann von den Kaiserlichen Truppen in meine Residenz eingelassen wird. Alle Vorstellungenmeinerseits, dass diese allenfalls praejudicirliche Aeusserung in dem Antwortschreiben widerlegtwerden könnte, konnten den festen und unbeugsamen Charakter Friedrich Karls nicht besänftigen.Die Folge davon war, dass der entworfene Operationsplan durch das Elsass und die ehemaligen
Die Truppenstärke der Kurfürsten betrug 4 Regimenter Infanterie ä 700 Mann, 50 Husaren, 50 Jäger,120 Artilleristen, 6 Mineurs und 0 Sapeurs, ausserdem 50 Mann Palastwache. An der Spitze dieser Truppen standen12 Generäle und ein Hofkriegsrat, bestehend aus 2 Präsidenten und 6 Räten.