Ursprung, Name und Wappen.
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Die ursprüngliche Heimat unserer Familie ist schwer zu bestimmen. Nach der Familien-tradition soll unser Stammvater Johann Zwehl zurZeit der allgemeinen Unruhen und Religions-streitigkeiten zu Ende des XVI. Jahrhunderts aus Livland oder Schweden nach Deutschland ge-kommen sein, um auf der damals hochberühmten Universität Erfurt Rechtswissenschaften zustudiren. In den noch vorhandenen, übrigens lückenhaften erfurter Bürger- und Universitäts-Listen aus jener Zeit ist sein Name jedoch nicht nachzuweisen, wohl aber findet sich einHenricus Quehl Erfordensis, der im Jahre 1598 die dortige Universität besuchte.
Quebl, Quele oder Zwehl, Zweie, Zwehle ist ein uraltes deutsches Wort und bedeutet,,Handtuch!' Hieraus könnte man wohl schliessen, dass die Annahme der Einwanderung ausfremden Landen eine irrige ist, unsere Familie vielmehr aus Deutschland stammt. Auffallend istjedoch, dass der Name in der Form Zwehl oder wie die frühere Schreibweise war: Zwei, Zweiein Deutschland nicht wieder vorkommt und alle, die sich nach Johann Zwehl dieses Namensbedienten, ihren Ursprung auf ihn zurückführen.*)
Unser Stammvater muss der Sprössling einer angesehenen Familie gewesen sein. Hierauflässt sein grosser Reichthum schliessen, der es ihm möglich machte, sehr bedeutenden Grundbesitzauf dem Eichsfeld zu erwerben. 2 )
Z wehls Aufenthalt in Erfurt scheint ihm Gelegenheit gegeben zu haben, in kurmainzischeDienste zu treten. Zunächst wurde er beim Oberamt in Heiligenstadt angestellt und zwar in derwichtigen Stellung eines Oberamtsschreibers. Die älteste vorhandene Urkunde, in welcher er„Oberamtsschreiber" genannt wird, stammt aus dem Jahre 1611. 3 ) Von diesem Zeitpunkt anwird er sehr häufig, sowohl in öffentlichen als in Privaturkunden genannt. Nach JohannZwehl haben dann seine Nachkommen fast 200 Jahre auf dem Eichsfeld und in Heiligenstadtgelebt. Mit dem Zusammenbruch des alten Kurstaates 1803 verliess die Zwehlische Familie nachund nach ihre alte Heimat mit ihren engen Verhältnissen. Eine Linie wandte sich nachBayern, die andere nach Hannover und Preussen, wo sie auch bald zu Ansehen und Einfiussgelangte. Seitdem durchweht ein neuer frischer Zug thatkräftigen Lebens das ganze Geschlecht;eine grosse Anzahl hoher Staatsbeamter und tüchtiger Offiziere ist aus ihm hervorgegangen.
Schon vor Johann Zwehl führte unsere Familie ein eigenes Wappen. Dies geht ausdem Revers unseres Stammvaters über das Schultheissenamt in Heiligenstadt vom Jahre 1612hervor, in welchem er schreibt: „Undt das zur Bekenntnus liab ich Johann Zwehl obgenannt
') In Niedersachsen kommt bisweilen der Name Twehle, Twehl vor; dies ist gleichbedeutend mit dem thürin-gischen Quehl.
2 ) Siehe sein Testament Urk. No. XI.
3 ) S. Urk. Nr. I und Nr. X. Die Stellung eines Oberamtschreibers dürfte dem heutigen Assessor entsprochenhaben. Sie war so wichtig, dass sich der Kurfürst besonderen Bericht über ihre Besetzung erstatten liess: „was deindes wegen naher Hildesheimb abgegebenes Schreiben, vor einen effect erreicht wird, bey dem letzteren passu aber lassenwir in Gnaden geschehen, dass dem von dir vorgeschlagenen Oberlandtgerichts Procuratori Johann Bleyen solche Ober-amtsschreiberei interim und bis auf unsere anderweite gnedigste Verordnung aufgetragen werde: 1
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