Vorwort.
Ochon seit Jahren bemühte ich mich, Nachrichten über unsere Familie zu sammeln.Leider hat sich gerade in meiner Linie ausser wenigen Urkundenkopien fast nichts derartigesvererbt. Durch die Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit einiger Vorfahren ist fast Alles un-geachtet verloren gegangen.
Die Wirren des dreissigjährigen Krieges, unter denen namentlich das Eichsfeld schwerzu leiden hatte, die Flucht und mehrjährige Verbannung unseres Stammvaters Johann v. Zwehl,hatte die Familie nicht nur in ihrem materiellen Besitz auf das empfindlichste geschädigt, sondernauch die alten Dokumente" und Familienpapiere grösstenteils vernichtet. Hieraus erklärt es sichauch, dass es trotz vieler Mühe nicht gelungen ist, etwas Sicheres über den Geburtsort unseresStammvaters zu erfahren.
Den grössten Verlust erlitt unsere Familie durch die ungünstigen Umstände beim TodeJohann Christoph von Zwehls im Jahre 1707. Zu dieser Zeit war von männlichen Familien-mitgliedern ausser dem siebenjährigen Herwig Christoph nur der zu Erfurt lebende Kanonikusund Scholastiker Herwig von Zwehl am Leben, der sich aber nur wenig um die Interessen derFamilie bekümmerte.
Dies benutzte der Schwiegersohn und Dienstnachfolger Johann Christophs, der Stadt-schultheiss Rudolph v. Kaisenberg, sich nicht nur einen grossen Teil des v. Zwehischen Grund-besitzes, sondern auch die Familienpapiere unter dem Vorwande anzueignen, sie gehörten zumLelmschreibereidienst. So kam es, dass die Kunde über unsere Vorfahren fast gänzlich verlorengegangen war.
Erst meine verehrte Mutter Johanna von Zwehl,
Tochter des Königl. Hannoverschen Hofrats und ProfessorsDr. Berthold zu Göttingen, war es, die, erfüllt von einemregen Familiensinn, sich eifrig bemühte, Material zur Ge-schichte unserer Familie herbeizuschaffen. Mit grossemFleiss forschte sie auf der Göttinger Universitätsbibliotheknach den einschlägigen Quellen und machte Auszüge undNotizen aus den zahlreichen, vom Kanonikus J. Wolfüber das Eichsfeld veröffentlichten Schriften. Namentlichfand sie in der „Geschichte der Stadt Heiligenstadt" der„politischen Geschichte des Eichsfeldes" und der „Eichs-feldia docta" zahlreiches Material. So gelang es ihr all-mählich, eine Anzahl Nachrichten zusammen zu bringen,die sie geordnet, in einem Familienbuche niederlegte.
Auch dadurch erwarb sich meine Mutter eingrosses Verdienst, dass sie die, trotz der nahen Ver-wandtschaft fast gänzlich verloren gegangene Verbin-dung mit der Bayerschen Linie von Zwehl wieder an-knüpfte und eine lebhafte Korrespondenz mit der imJahre 1895 zu München verstorbenen Excellenz Theresev. Zwehl, geb. v. Pidoll, führte.
S. Meyers und Brockhaus Konversations-Lexikon.