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Urkunden-Buch der Familie von Zwehl : nebst Kunstbeil., Textbildern, Stammbäumen u.e. Anh., enth. Beitr. zu e. Familiengeschihichte
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wurden, die auch heute noch in der Anstalt wirken. 1 ) Zur Unterstützung, Viehpflege und fürdie Ackerwirtschaft wurde 1895 ein Knecht und später noch eine Magd angenommen.

Die Erziehung der Kinder stützt sich auf ein musterhaft ausgearbeitetes Regulativ. Dietägliche Lebensweise wird durch einen Beschäftigungsplan vom Jahre 1820 geregelt, der modificirtnoch heute in Kraft ist.

Im Sommer stehen die Zöglinge um 5 Uhr Morgens auf, waschen sich und bereiten sichbis 6 Uhr auf den Schulunterricht vor. Um 6 Uhr gehen sie zur Kirche, von da in den von7 bis 10 Uhr dauernden Unterricht. Nach Schluss der Schule bewegen sich die Waisenkinderbis 11 Uhr im Freien oder beschäftigen sich mit einer zweckmässigen Handarbeit, z. B. Schnitzenauf der Schnitzbank, Holz sägen, Anfertigen von Tischlerarbeiten und dgl. Von 11II 30 V.wird das Mittagsmahl eingenommen, darnach eine halbe Stunde im Freien gespielt. Von 121wird eine Handarbeit, wenn möglich im Freien vorgenommen z. B. Korb- und Strohdecken-flechten und dgl. Von 1l 45 N. ist Vorbereitung für den von 24 Uhr stattfindenden Nach-mittagsunterricht. Von 46 wird im Freien geturnt, gespielt und dgl. Bei schlechtem Wetterwerden Beschäftigungen wie in der Zeit von 1011 V. vorgenommen.

Von 66 30 wird zu Abend gespeist und dann bis 7 Uhr gespielt. Von 79 Uhr istArbeitsstunde für den Unterricht des folgenden Tages. Um 9 Uhr geht alles zur Ruhe. Anden freien Nachmittagen Mittwochs und Sonnabends können die Kinder zum Baden gehen, oderes werden Spaziergänge gemacht, bei schlechtem Wetter werden Handarbeiten vorgenommen, beidenen körperliche Bewegung nötig ist. Anstatt der Handarbeiten werden die Zöglinge auch zuArbeiten im Garten und auf dem Acker verwandt. In den Wintermonaten wird die Zeiteinteilungentsprechend geändert.

Man sieht aus diesem, mit Verständniss aufgestellten Beschäftigungsplan, dass Arbeit undRuhe, körperliche und geistige Anstrengung zweckentsprechend wechseln, und dass auf nützliche,den Kindern später dienliche Beschäftigung ein grosses Gewicht gelegt wird. Auch die vieleBewegung im Freien ist sehr anerkennenswert. Bei dieser Lebensweise, verbunden mit nahr-hafter kräftiger Kost, wachsen die Kinder zu gesunden jungen Leuten heran.

Eine Reihe tüchtiger Männer sind aus der Anstalt hervorgegangen, die dem Vaterlandgute Beamte, brave Bürger und geschickte Handwerksmeister geworden sind: Althaus, Klempner-meister, Geismar; Bachmann, Maler, Westfalen; Billigmann, Ludwig, Ordensmann; Dietrich,Gastwirt und Kaufmann, Ershausen; Drücke, Julius, Ordensmann, Aachen; Dunkel, Hubert,Ilandelsgärtner, Leipzig-Connewitz; Fiege, Peter, Bäcker, Düsseldorf; j Fritsche, Lehrer, Wüst-heuterode; Goebing, Ignaz, Tischlermeister, Heiligenstadt; Gunkel, Ernst, Buchbindermeister,Hüpstedt; Kruse, Buchbindermeister, Heiligenstadt; Loffing, Robert, Lehrer, Siemerode-Eichsfeld;Lurch, Florentin, Goldarbeiter, Berlin; Noll, Michael, Gärtner, Dresden; f Osburg, Lehrer, Nieder-orschel-Eichsfeld; Reinhardt, Heinrich, Lehrer, Magdeburg-Neustadt; Riesmeyer, Robert (OrdensmannPater Angelus), Amerika; f Roth, Dr. med., Stabsarzt, verst. zu Heiligenstadt; Schneider, Christian,Kreisschulinspektor, Dorsten in Westfalen; Schneider, Fritz, Möbelhändler, Frankfurt a. Main,Bruder von Christian; Thieme, Wilhelm, Buchbindermeister, Worbis; Wand, Georg, Maler undGastwirt, Darfeld i. Westfalen; j Wehenkel, Lehrer, Breitenworbis u. s. w. 3 )

Eine Zeit lang hatte Heiligenstadt auch noch ein katholisches Mädchenwaisenhaus.

Am 24. Mai 1797 vermachte der Bäckermeister Heinrich Conradi eine Stiftung zur Be-gründung dieser Anstalt, die durch eine Schenkung der verwittweten Frau Hauptmann MarianneWolf geb. Leitzenthal vom 26. Juni 1834 so erhöht wurde, dass die Eröffnung stattfinden konnte.

') Z. Z. sind 4 Schwestern im Waisenhause. Waisenmutter ist Schwester Staneck.

2 ) Den Herren Kreisschulinspektor Schneider und Lehrer Loffing verdanke ich wichtige Notizen für vor-

stehenden Aufsatz, die ich in den Akten nicht verzeichnet fand.