wurde das alte Gebäude wegen Baufälligkeit abgebrochen und das jetzige Haus, J ) das im Jahre1825 vollendet wurde, dorthin gebaut. Im Jahre 1829 kaufte die Stadt das Haus an und richtetespäter in demselben die katholische Bürgerschule ein. 2 ) Der schöne, im Jahre .1890 seiner Be-stimmung übergebene Erweiterungsbau steht ebenfalls auf ehemals von Zwehl'schen Grundund Boden.
Das Knabenwaisenhaus.
Um die Wende des siebenzehnten Jahrhunderts lebte auf dem Eichsfeld ein edlerMenschenfreund: Urban Ignatz Giesen er.
Im Jahre 1646 als Sohn des Kurmainzischen Kanzleirats Johann Heinrich Giesenerund dessen Gemahlin Anna Maria, geb. von Zwehl, Tochter des bekannten Landschreibersund Kurfürstlichen Geheimrats Johann von Zwehl, zu Heiligenstadt geboren, widmete er sichder juristischen Laufbahn und wurde ums Jahr 1677, als der Amtsvogt auf Bischofstein undGreifenstein Georg Wilhelm von Zwehl (1628—1698) Bürgermeister von Heiligenstadt wurde,dessen Dienstnachfolger. Dreissig Jahre, bis zu seinem am 25. Januar 1706 erfolgten Tode, hater diese kurfürstlichen Aemter mit Umsicht und Eleiss verwaltet.
Giesener war durch seine Mutter ein sehr wohlhabender Mann. 3 ) Da er unvermähltwar, benutzte er seinen Reichtum zur Stiftung des Heiligenstädter katholischen Knabeuwaisenhauses.
Die Stiftungsurkunde ist datiert: Bischofstein, den 16. Januarii und von ConradSchönfeld, Notarius, Johannes Christophorus von Zwehl, Bertram Rudolf von Kaisenberg, GereonIgnatius von Horn, Franciscus Christophorus von Zwehl und Laurenz Baumann unterschrieben.
Gl es eil er vermachte in diesem Testament sein Vermögen, bestehend aus einemWohnhaus, 104 Acker Land, 17 Acker Wiesen, 3 Gärten, 4 Reichsthalern, Früchten, Haus-geräten, Mobilien und Moventien, den Waisen des Eichsfeldes, ,,so katholischer Religion, männ-lichen Geschlechts, von ehrlichen Eltern ehelich erzeugt und gebohren, sobald dieselben laufen undreden können, bis sie zum studieren oder Erlernung eines Handwerks nach befinden tauglich seinwerden. Es sollen aber dagegen die armen Waisen für mich den fundatorn, dann die Glesenerscheund Zwehlische Familie, alle Tage fünf Vaterunser und ave Maria, ein jeder in honorem quinquevulnerum Christi knieend betten und dazu vom Waysenvater fleissig angehalten werden". 4 )
') S. Abbildung S. 1.
2 ) Im Stadtbuch auf dem Rathaus fand ich Folgendes: „Aelteres Sclmlgebäude unweit der Propstteikirclie inder Mitte der Stadt frei und luftig gelegen, hat eine Länge von 33 m, eine Tiefe von 12,90 m und eine Höhe ohneDachstuhl von 7 m. Souterrain, Parterre und erstes Stockwerk sind massiv, das Dachgeschoss von Holz und Stein-fachwerk. Das Dach besteht aus Hohlziegeln mit Kalkverstrich. Der bauliche Zustand ist ein guter. VersicherterWerth 33 480 M. Die Stadtgemeinde Heiligenstadt hat die Unterhaltungspflicht. Dies Haus ist laut Quittungs-verhandlung vom 10. Januar 1829 von der verwittweten Frau Hauptmann (?) v. Zwehl für 1800 Thaler käuflich er-worben und im Hypothekenbuch von Heilig, vol. X Fol. 378 mit 2 l /2 Gerechtigkeit eingetragen".
3 ) Ausser ihrem beträchtlichen Heiratsgut erhielt Anna Maria Giesener beim Tode ihres Vaters,Johann von Zwehl, im Jahre 1652: „das Haus oben an der Strasse (jetzige Zuchthaus) da mein Aidamb HerrJohann Henrich Giesener innewohnet, soll gleichergestalt vor fünfzehnhundert Reichsthaler gesetzet seyn, weilenes ein perfectum opus undt solches Geldes wohl werth ist." Ferner „die Gueter zu Beuren, welche mit vierhundertReichsthaler bis 16 guate Groschen, so das Ampt Scharfenstein jährlich daran zu fordern hat, von den Knorren frei-gekauft undt die Gueter zu Leinefelde, es seye Pfandt oder Erhe, neben der Mühlen zu Gernrode undt dabey gehörigenLänderey, item 100 Reichsthaler, so bei der Gemeinde zu Beuren stehen und 50 Reichsthaler bey Bastian PaulrottenKapitahll soll meine Tochter Anna Maria zu ihrem Theill haben." (S. Urlc. XI.)
*) S. Urk. XVI.
Kein Bild, kein Gedenkstein, kein sichtbares Zeichen ist mehr vorhanden, das uns an Giesener erinnert,sein Name ist fast vergessen. Selbst einige Waisenkinder, die ich nach dem Stifter der Anstalt fragte, blieben die