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Um diesem unerquicklichen Zustande für die Zukunft ein Ende zu bereiten, wollte Carlbeide Mühlen in einer Hand vereinigen.
Nach dem Zusammenbruch des alten Kurstaates hatte unsere Familie nach und nachdas Eichsfeld verlassen, der ehemalige Zwehl'sche grosse Grundbesitz war verkauft oder verpachtet.
Am 1. Juli 1829 lief der Pachtvertrag mit dem Pächter Theodor Dietrich Lovis ab undes war keine Aussicht vorhanden, das bisherige Pachtgeld auch weiterhin zu erhalten, umsomehr,da Lovis eine vor Heiligenstadt gelegene Mühle gekauft und geäussert hatte, hier eine neuePapiermühle errichten zu wollen.
Die Familie von Zwehl protestierte nunmehr bei der Königlichen Regierung zu Erfurt,erhielt indessen am 27. April 1829 die Antwort: „Sie seien zu bescheiden, dass der eingelegteWiderspruch lediglich privatrechtlicher Natur und an sich gesetzlich nicht geeignet sei, deshalbdie nachgesuchte landespolizeiliche Erlaubnis zu versagen und dass es zwar den Besitzern dervon Zwehlschen Papiermühle unbenommen bleibe, ihr vermeintliches ausschliessliches Recht imWege des gerichtlichen Verfahrens gegen p. Lovis geltend zu machen, dass aber nach der be-stehenden Gewerbsverfassung und in Folge des Westfälischen Gesetzes vom 5. August 1808 und12. Februar 1810 eine solche Klage keine Zulassung, geschweige denn einen günstigen Verlauferwarten lassei'
Somit war das Privilegium unrettbar verloren und hätte der Pächter Lovis, wie mitSicherheit anzunehmen war, seine Absicht, auf dem Eichsfeld neben der v. Zwehlschen nocheine zweite Papiermühle zu errichten, sicher durchgesetzt; hierdurch wäre der Werth der ZwehlschenMühle aber bedeutend geschmälert. Es war also nicht wahrscheinlich, dass ein neuer Pächterhei der zu erwartenden und nicht zu unterschätzenden (Joncurrenz den alten Pachtpreis gezahlt hätte.
Ausserdem waren die Gebäude im Laufe der Jahre ziemlich baufällig geworden, so dassbedeutende Reparaturen nötig geworden wären. Aus all' diesen Gründen beschloss ein Familien-rat, bestehend aus der verwittweten Hofrätin Johanne von Zwehl, ihren Söhnen Joseph, Theodorund Alexander Richard, ihren Töchtern Wilhelmine d'Outrepont geb. v. Zwehl, Friederike Siemonsgeb. v. Zwehl, Therese Heusinger geb. v. Zwehl und dem Schwiegersohn Medizinalrath Ottod'Outrepont, die beiden Mühlen zu verkaufen. Mit dem Verkauf wuMe Theodor von Zwehl, derspätere k. b. Staatsminister, beauftragt.
Die Papiermühle erwarb der ehemalige Pächter Lovis für 8500 Thaler, nachdem sie über200 Jahre im Zwehlschen Besitz gewesen war.
Unter den neuen Besitzern, die ihre ganze Kraft der Papierfabrikation widmen konnten,nahm das Unternehmen einen grossen Aufschwung. Im Jahre 1836 wurden die beiden Seiten-flügel an das alte Gebäude angebaut. Auch das dem alten Gebäude gegenüberliegende Hausstammt aus jener Zeit. Bedeutende Verbesserungen wurden vorgenommen, die Nasspressen um-gebaut und zu der vorhandenen ersten Bütte eine zweite angelegt, wodurch die Produktion von5—6 Centner pro Tag auf 10—12 vermehrt wurde. Gearbeitet wurde im Sommer hauptsächlichCichorien-, Pack- und ordinäre Schreibpapiere, im AVinter Druckpapier, weil solches, um eine be-stimmte Weichheit zu erlangen, frieren musste.
Die Arbeitszeit der Papiermacher dauerte damals von 2 Uhr Nachts bis 6 Uhr Abends!Die Frühstücks-, Mittags- und ATsperpause währte nur so lange, als solche für das Essen not-wendig war.
Im Jahre 1854 wurde die Papierfabrikation nach der sogenannten Kupfermühle, Richtungnach Geisleden, verlegt. 1 ) Sie entwickelte sich immer mehr zu einem grossartigen Unternehmen,
') Da die neue Fabrik sehr weit von dem in den sechsziger Jahren erbauten Balmhof entfernt ist, müssen zuTransportzweeken von und zum Bahnhof ca. 20 Arbeitspferde gehalten werden. Dieser sehr kostspielige Apparat wärevermieden, wenn die Fabrik in der alten Mühle, die unmittelbar am Bahnhof liegt, verblieben wäre.