178 Die Fürstin als Schloßfrau zu Schönhausen.
Drss-aüsrs cksnnnoton! Wie gewöhnlich in der letzten Zeit nur zweiZeilen in ciller Eile; in 1 Stunde sitzen wir auf und ich packe noch meineSommergarderobe für Berlin, Bücher etc. Dein Vater ist sehr heiter,und für das Fenster, an dem ich schreibe, so enthusiasmirt, daß ich fürchte,er bereitet durch Beschreibung dessen, was er sieht, eine Enttäuschung inDir vor. Carl Woedtke ist auch hier. Morgen denke ich der ersten Land-tagssitzung beizuwohnen. Alexander wollte nicht mit, hat mir aber erzählt,daß das Verhältniß zwischen Dir und Brünette") wieder behaglicher ge-worden ist. Es klingt etwas wenn ich von meinem Schmerzüber den Gedanken unserer verlängerten Trennung spreche, da ich es genaugenommen in der Gewalt hatte, den Landtag laufen zu lassen. Aber Dnweißt selbst am Besten, was davon zu denken, und ich fühle, daß ich bei Dir derEntschuldigung nicht bedarf. Die Nacht träumte ich beunruhigend von Dirund 3 Pferden! Ich hoffe Du bleibst cksnnno In sng's, was Reiten anbelangt.
Es schlägt halb, ich muß fertig packen. Alle Grüße an die Mutter
Dein treuer B.
Die junge Gemahlin, in einem streng kirchlichen Hause gottesfürchtig er-zogen, war eine aufgeweckte lebhafte Natur, feinfühlend und vornehm, musi-kalisch, ja, eine Meisterin auf dem Flügel, dabei eine sorgsame und umsichtigeHausfrau.
Der Berkehr der Eheleute war herzlich und innig. Fern von derFamilie weilend, sendet der Gemahl seinem „geliebten Herzen" Jasmin ausPeterhof, Heidekrautblüthen aus dem südlichen Frankreich, ans Gastein Edelweiß,und bei der Wiederkehr seines Hochzeitstages nach 16 Jahren gedenkt er desSonnenscheins, welchen jener Tag in sein Junggesellenleben gebracht hat. Aufeiner Reise gehen ihm seine zahlreichen für die Korrespondenz mit der Familiesorglich mitgenommenen Briefumschläge aus; aus St. Sebastian schreibt er übersein schlechtes Gewissen, daß er so viel Schönes allein genieße, und in einemBriefe aus Nürnberg, daß er gern über Wien nach Salzburg gefahren wäre,um seine Hochzeitsreise noch einmal zu durchleben.
Folgender Brief bezeugt, wie er inmitten der großen Ereignisse desKrieges der fernen Gemahlin in Liebe gedachte:
*) Em Reitpferd.