Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
351
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Felix an die Schwestern. Häusliches aus Florenz. 351

Fluchen ausgehaucht habe, so ist bei uns Alles beim Altenund Alles munter. Wie sehr Cecile Euch grüsst, das wisstIhr wohl; sie bleibt bei ihrem alten Satz, den sie mir neulichnach Berlin schrieb:Fanny und Beckchen gehören zusammen",und ich neige mich auch sehr zu dieser Meinung. Ich sollEuch von unserm Leben hier schreiben ? Morgens früh arbeiteich immer, um zehn setzt sich Carl auf eine Stunde zu mirund liest und rechnet, Nachmittag um fünf versuche ich ihmallerlei orthographische und geographische Begriffe beizubringen ich nmss aber eine andere Natur haben als Du; währendDu beim Griechischen findest, dass Du eigentlich nichts ver-gessen hast, finde ich bei meinen Lektionen, dass ich nichtsbehalten habe. Marie lernt die C-dur-Tonleiter. Sogar diewusste ich nicht mehr recht und liess sie beim vierten Fingeruntersetzen, bis Cecile dazu kam und ausser sich war. Nunlebt wohl, Ihr lieben Schwestern; Du, liebe Fanny, sage mir,wie es eigentlich mit der Zeitrechnung steht, die uns jetztAlle beschäftigt."

Wie aber Alles bei dieser Geschichte unberechenbar ge-wesen war, so sollte es auch diese Zeitrechnung sein. DieKatastrophe wurde Anfangs April erwartet. Am 13ten Fe-bruar aber stellten sich die deutlichsten Anzeichen ein, dassder entscheidende Augenblick gekommen sei, und zwar gingAlles so schnell, dass kaum die notlidürftigsten Anstalten ge-macht werden konnten. Eine Stunde lang wartete Fanny mitwahrer Todesangst auf den Arzt, und fast mit ihm zusammenerschien Florentinchen (denn mit diesem Namen war das er-hoffte Mädchen schon lange, ehe es da war, bezeichnet worden)lebendig und gesijnd am Licht der Welt. Die Ueberraschung,die Freude, aber auch die Verwirrung der ersten Augenblickewar unbeschreiblich. Die von Berlin geschickten Kindersachenwaren noch nicht da und es fehlte buchstäblich an Allem. Amandern Tag hatte Fanny alle Hände voll zu thun, das noth-wendigste Zeug für das Würmchen zu machen und anzu-schaffen, Briefe nach allen Seiten zu schreiben und die Mahl-zeiten einzurichten. Wunderbarer Weise war Kebecka wiemit einem Schlage von allen ihren Leiden befreit und so wohl