352
Wiedersehen in Italien.
und vergnügt wie möglich. Nach einigen Tagen kamen nundie erfreuten und überraschten Antwortbriefe, zuerst aus Rom,später von allen andern Seiten; es zeigte sich jetzt, das eigent-lich Niemand an die Möglichkeit eines lebendigen, gesundenKindes gedacht hatte.
In einer Beziehung war für Hensels die bedeutend verfrühteGeburt des Kindes sehr wichtig. Fanny beschloss, ihres MannesAnkunft in Florenz nicht abzuwarten, sondern, als Alles aufdas Vortrefflichste ging und Flora am 12ten März getauftwar, am löten nach Rom nachzureisen und noch einige Wochenrömischen Aufenthalts mitzunehmen. Sie und ihr Sohn fuhrenmit der Diligence über Siena. In Rom angekommen, erfuhrenund sahen sie zu ihrem grossen Schrecken, dass Ilensel eigent-lich die ganze Zeit recht ernstlich krank gewesen war, seinLeiden aber beharrlich verschwiegen hatte, um seine Fraunicht zu ängstigen und zu voreiligem Verlassen der Kranken-pflege in Florenz zu bewegen.
Jedoch arbeitete sich seine gesunde Natur wieder durch,und da sah auch die Welt gleich ganz anders aus, und Fanny,die während der Krankheit recht niedergeschlagen gewesenwar, schrieb an Rebecka auf einem Bogen, der vorne eineallerliebste Randvignette von Geyer und folgendes Gedichtvon Hensel trägt:
Tausend Blumen auf den Fluren,
Sommerwarm und thauerfrischt,
Bleichen Winters letzte SpurenHat ein linder Hauch verwischt.
Rings im Grün der Vögel FeierOb des Lenzes Wiederkunft,
Und die Seele stimmt die LeierZu des Waldes Liederzunft.
Alle Sorgen, alle SchmerzenSind verweht und abgethan:
Offen stehn die seel'gen HerzenUm den Frühling zu empfahl!.