Wiedersehen in Italien.
Um einige Tage wurde die Abreise aus Berlin verschobendurch den ersten Anfall eines Uebels, das Fanny an demselbenTage befiel, an dem sie ihre Absicht zu reisen gemeldet hatte.Es bestand in heftigem unstillbaren Nasenbluten, was„ Tagund Nacht ununterbrochen bis zu 36 Stunden dauerte, undfür die Umgebung etwas sehr Aengstliclies hatte. So sehrihre Angehörigen diese Anfälle fürchteten, so hat sich dochschliesslich gezeigt, dass sie eigentlich keine Krankheit waren,sondern eher das Gegentheil.
Nach Weihnachten legte sich die grosse Kälte, und am2ten Januar 1845 fuhren Hensels per Eisenbahn nach Leipzig,von da Extrapost im eigenen Wagen. Bis München machtensie starke Tagereisen, den zweiten und dritten Tag bis Mitter-nacht, in München fanden sie beruhigende Briefe vor, undbeschlossen daher,, da im Gebirge bei Nacht und Glatteis dasFahren gänzlich unthunlich war, kleinere Tagereisen zumachen. Durch Tyrol über Insbruck und Bötzen war dasWetter ebenso günstig. Sie wählten den Brenner-Pass alsden niedrigsten und gefahrlosesten; eine halbe Stunde leichtenSchnees, des einzigen, den sie auf der ganzen Reise hatten,störte nicht; ein wunderbar herrlicher Anblick aber waren diein ungeheueren Eismassen in den phantastischesten Formenvon den Bergen herabhängenden gefrorenen Wasserfälle. Dieganze grossartige Gebirgseinsamkeit sieht noch grossartigerund einsamer aus als in der guten Jahreszeit.