Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Neapel bis Berlin.

Icli habe viel nachzuholen, konnte während der Reisetagenicht schreiben, nicht einmal notiren, da ich kein Buch hatteund die einzige freie Zeit in Albano benutzte, nach Haus zuschreiben, wozu ich noch eine fast unüberwindliche Müdigkeithabe überwinden müssen und nun sitzen wir in Neapel,und der erste Anblick ist bei Sciroccoluft, Nebel, farblos."

So lautet die erste Tagebuchnotiz nach der Abreise vonRom, und sie ist charakteristisch, gewissermassen symbolischfür die Fortsetzung der Reise. Der Höhepunkt war über-schritten; wenn auch aus dem Folgenden sich ergeben wird,dass Fanny Neapel und allem Schönen, was sie noch sehensollte, volle Gerechtigkeit widerfahren liess, dass Auge undund Sinn noch empfänglich und offen waren, so war es docheben nur das Auge und nicht mehr das Herz; das hing anRom und stand, nachdem dies herrlichste Reisekapitel abge-schlossen war, nach Hause. Fanny bewunderte noch die ausser-ordentlichen Schönheiten, aber die hohe Begeisterung, das tief-innere Glück, was sie in Rom empfunden, war der pflicht-mässigen Reisearbeit des Sehens und der Sehnsucht nach Ruhegewichen.

Den 2ten Juni 1810 wurde Rom verlassen. Die Freundenahmen herzlichen Abschied, Bousquet fuhr noch mit in'sAlbaner Gebirge und durchstreifte dasselbe mit Hensels nachallen Richtungen. Die Gespräche drehten sich vielfach um