Ueber den Brenner im Januar.
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Mit der Fahrt über die Alpen war das Schwerste, dasEinzige, was eigentlich gefährlich an der Reise hätte sein,können, überstanden. An der päpstlichen Grenze machte manSchwierigkeiten — weil das Visa des päpstlichen Nuntius inMünchen auf dem Pass fehlte, und es bedurfte zweistündigerVerhandlungen, um die Erlaubniss, bis Bologna zu fahren,auszuwirken, wo die Reisenden gegen Mitternacht, überhungertund übermüdet, ankamen. Hier musste Hensel, ehe er etwasgenoss, in der Nacht zum Polizeidirektor, um die Er-laubniss, am andern Tage die päpstlichen Staaten wieder zuverlassen, auszuwirken. Als der Wagen im Dunkel der Nachtin Bologna einfuhr, schienen die Strassen auf beiden Seitenwie mit hohen Mauern weiss schimmernd besetzt — es warSchnee, der acht Tage vorher so reichlich gefallen war, dassdie ganze Kommunikation unterbrochen war. Ein solcherSchneefall in den Alpen hätte die ganze Reise unmöglichmachen, und jedenfalls zum Umweg über Frankreich zwingenkönnen.
Von Bologna eilten Hensels über den Apennin, über-nachteten zum letzten Mal vor dem Wiedersehen in Cavigliaja,und fuhren Sonntag, den 19ten Januar nach Florenz hinab.Ueber Rebecka erschrak alles im ersten Augenblick sehr, soübel sah sie aus, und so entstellt waren ihre Züge. Auchhatte sie eben erst die letzten Anmeldungszeilen aus Veronabekommen, und war sehr aufgeregt. Dirichlet war auch sehrverändert, jene eigenthümliclie Fieberfarbe liess ihn elend aus-sehen.
Sehr bald organisirte sich nun aber ein behagliches Leben.Die Henselsche Wohnung lag der Dirichlet'schen gerade gegen-über, so dass sie sich über die Strasse „guten Morgen" zu-rufen konnten, und sich auf Deutsch ohne Gefahr die grösstenGeheimnisse hätten mittheilen können. Rebecka sammelte inguter Pflege schnell meue Kraft, so dass sich Alles über Er-warten freundlich gestaltete, nur musste leider Hensel dieSeinigen bald verlassen. Alle Versuche, sich Kostüme oderbrauchbares Modell zu verschaffen, schlugen fehl, und somachte er sich schon nach wenigen Tagen auf und ging allein