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Reise- und Heimathbriefe.
die gleichzeitige Blumenausstellung, obgleich nicht einmal sehrausgezeichnet, war von zwölf- bis vierzehntausend Personenbesucht. Berlin wird eme grosse Stadt. —
Der Wilhelmsplatz ist die schönste Marzipantorte gewor-den, schauderhaft steif, aber schöne, feste Kieswege, und dasist nicht Etwas, sondern Viel. Ueberhaupt ist Deutschlandjetzt wirklich sehr blühend, desto erbärmlicher sieht es aberin den inneren politischen Zuständen aus. Dieser Mensch, derEichhorn, scheint wirklich jeder freien geistigen Bewegungden Tod geschworen zu haben, vor jeder Maus fürchtet ersich. Gott! was muss der preussisclie Staat für ein erbärm-liches Gebäude sein, wenn er wirklich Gefahr läuft, zu wackeln,sobald drei Studenten einen Verein bilden, oder drei Pro-fessoren eine Zeitschrift herausgeben. Er ist aber selbst nurein Werkzeug, leider kommt der Aerger von oben. Das ewigeVerbieten, sich in Alles Mischen, Argwöhnen, Vorbeugen istwirklich jetzt im tiefsten Frieden und bei den ruhigsten Dis-positionen der ruhigen Deutschen auf eine Höhe gekommen,die ganz unleidlich ist. —"
Verlassen wir auf einige Zeit die Korrespondenz, umManches nachzuholen, was sich aus den Briefen nicht ergiebt.Mendelssohn's Verhältniss zu Berlin nahete sich im Herbst 1844der entscheidenden Krisis. Er selbst allerdings hatte sieschon vorhergesehn und war wohl schon bei seinem Fortgangim Frühjahr 1844 fest entschlossen, nicht wieder dauernd da-hin zurückzukommen. So erklärt sich auch sehr leicht, wasFanny wiederholentlich in Briefen und Tagebüchern bedauertund was ihr unzweckmässig und schlecht eingerichtet vor-kommt; das Weggehen von Cecile und den Kindern, was aller-dings unter der Voraussetzung, dass im Herbst die Familiewieder nach Berlin zurückkehren würde, ein reines Räthselgewesen wäre. Mendelssohn hatte sich im Winter 1843 bis1844 überzeugt, dass er in Berlin nicht dauernd erspriesslichwürde wirken können. Die Verhältnisse waren zu kraus undverschroben; an allen Ecken, karambolirte er mit andern„Ressorts"; bald gab es Reibereien mit der Singakademie, undderen Dirigenten, bald mit der Bühnendirektion, bald mit der