Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
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Reise- und Heimathbriefe.

Eebeeka an Fanny.

Sorrent, d. 19ten Juni 44.

„Meine liebe Fanny, hier liegt Dein letzter Brief undklagt mich grosser Sünden an, erstens dass ich so lange nichtgeschrieben, obgleich Du nieine Briefe so freundlich aufnimmstund dann, dass ich dem armen Neapel so Unrecht thue. Demersten helfe ich hiermit ab, dem zweiten — ja, warum hatsich unser Reiseglück in Neapel gewandt? Warum bin iclidaselbst krank geworden ? Warum bin ich in der Villa diRoma, die ihren Padrone gewechselt hat, so unsinnig geprelltworden? Warum waren unter vierzehn Tagen nur höchstensvier, dass man ausgehen konnte? Warum bekommt mir dasKlima durchaus nicht? Und besonders, warum liegt es zwischenRom und Palermo eingeklemmt ? Du hast uns übrigens be-rufen, erst schriebst Du, es ginge uns Alles so glatt, ohneKrankheit, und Tags darauf lieg' ich zu Bett, dann schreibstDu, wir richteten Alles so gut ein und da hatten wir ebenden Fehler begangen, uns zu trennen und Palermo zu verlassen,wo wir lebten, wie die Götter in Italien. Du siehst aus diesenphilosophischen Betrachtungen, dass ich nicht viel Historischeszu berichten habe; und so ist es, wir leben ganz still, Nach-mittags sitzen wir oben auf der Terrasse, die die schönsteAussicht von ganz Sorrent hat, sehen die Sonne hinter CapMisen untergehen, fühlen uns nicht recht genussfähig mehr undgrämen uns doch, Italien in vierzehn Tagen zu verlassen. Soläutet Italien leise aus, der Winter in Rom war ein rechteralter Weibersommer, wenn Ihr mich wiederseht, werdet Ihrnicht begreifen, wie ich so lustig habe sein können, dennäusserlich bin ich sehr alt und besonders sehr grau geworden."

Fanny an Rebecka.

Berlin, den 19ten Juni 44.

„Mein liebes Beckchen, was hat mir Deine Krankheit füreinen Schreck in die Glieder gejagt! Dein Brief fing so schönlustig an und überhaupt waren die Nachrichten bis jetzt soüberaus prächtig und durchweg erfreulich, dass ich wahrlich