Rebecka krank in Sorrent.
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und wirklich ziemlich hergestellt hin. Wie ich höre, hin ichnicht der Erste, der in Neapel nervenkrank geworden, undin Sorrent wieder seine Gesundheit gefunden hat. Ich habemich in einer sehr hübschen Wohnung etablirt und erwartenun Diriclilet in aller Ruhe in einigen Tagen zurück. DieserAufenthalt stört unsere weiteren Pläne ein wenig, indessenwo man hier bleibt, ist es schön und herrlich und die SorrenterLuft wirklich balsamisch und erquickend. Sehr viel Sclraldan meinem Unwohlsein hatte auch die Seekrankheit, wirhatten eine stürmische Ueberfahrt und da hab' ich fürchterlichgelitten; nun ist aber Alles überstanden. Mein Walter hatsich in dieser Zeit wie ein ganz erwachsener, vernünftigerMensch und dabei wie das liebenswürdigste Kind benommen. —Solche Farben wie heut, sind, glaub ich wieder, noch niedagewesen. Wenn ich in unsere Halle hinaustrete und dasMeer durch die Bogen sehe, packt mich immer ein gewaltigesVerlangen, Farben zu nehmen und ein blaues Meer, einengrünen Vorgrund, weisse Bogen und einen lila Vesuv zuschmieren. Wäre das nicht ein schönes Bild? Man glaubtwirklich in Italien, Landschaftsmaler zu sein, wenn man dieGegend recht viel ansieht, und dadurch, dass ich Walter'sZeichnungen schulmeistere, sehe ich recht genau hin. — Ach!ich kann gar nicht mehr schreiben, ich freue mich viel zusehr aufs Wiedersehen und Wiederzusammenleben mit Dir.Es hat uns zwar bis jetzt noch nicht an Stoff zum Plauderngefehlt, aber jetzt soll es erst losgehn. Hier verlerne ichganz mein sauer errungenes Italiäniscli und lese drum ziemlichgeläufig und sehr gewissenhaft das befreite Jerusalem. Sonder-bar ist es, wie einem plötzlich und unerwartet zuweilen einSinn aufgeht; so ging mir in Rom eines Tages Göthe's Tassoauf, wie eine ganz neue Bekanntschaft, und es vergehen seit-dem nicht viel Tage, ohne dass ich eine oder die andereScene d'raus mit grösster Rührung lese. Wer nichts selbstproduziren kann, lernt wenigstens in dem Wunderland besserauffassen und verstehn; im Lande, wo die Poesie auf allenBäumen und Zäunen wächst, muss doch etwas davon im Ge-miitli hängen bleiben. —"
Die Familie Mendelssohn. IT. 21