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Reise- und Heimathbriefe.
wie das Schwert des Damokles über unseni Häuptern hängt.Devrient war übrigens selig; am folgenden Tage gaben ihmdie Schauspieler noch ein Diner und ein Geschenk, und diezwei letzten Tage seines Hierseins waren sehr hübsch. Vor-gestern haben wir nun wieder Thorwaldsen angefeiert unddabei sind solche Schöppenstädtereien vorgekommen, dass eskaum zu glauben ist. Die Feier bestand in einer sehr schönenDekoration des Akademiesaals, in der Mitte eine KolossalstatueThorwaldsen's, von Kiss sehr geschickt, theils modellirt, theilsdrappirt, so dass es eine ganz schöne Wirkung machte. Einevon meinem schönen Freunde Reumont geschnarrte Rede, einschwungvoller Dithyrambus unseres genialen Rungenhagen undeine sehr bedeutend antigonisirende Kantate von Kopisch undTaubert machten die Feier aus, deren Pointe darin bestand,dass aus Versehen der König und der ganze Hof nicht ein-geladen worden, zu welchem Entsetzen unseres unabhängigenkünstlerischen Berlins kannst Du mitfühlen. Von sonst „Ver-gessenen" habe ich bis jetzt Beuth und Humboldt erfahren.Wie findest Du das ? Denke Dir den Schreck der HerrenAnstifter, die in der königlichen Loge keine Maus, nicht einmaleinen Kammerherrn erblickten und denen da erst ihre Sündenbeifielen. Zufällig waren die Maler nachher bei uns zum Essen,und da habe ich mein Müthchen an "Wach und den Anderngekühlt und sie unbarmherzig ausgelacht, während ihnen Allender Jammer viel näher stand. Es half aber nichts, sie musstengegeisselt werden, wer heisst sie mit solcher Ostentation eineTliorwaldsenfeier in's Leben treten zu lassen und sich so gottes-jämmerlich ungeschickt dazu anstellen ? —
Von Cecile habe ich keine ganz neuen Nachrichten; nachden letzten hatten die drei andern Kinder (Paulchen warschon fertig), sowie ihre Mutter, ihre Tante, im Ganzen acht-zehn Personen der Familie die Masern. Sie selbst hat wiedereine Halsentzündung gehabt, von der sie freilich wieder her-gestellt war, aber ich gestehe Dir doch, dass ich über ihreGesundheit im Allgemeinen viel weniger ruhig bin, als esFelix zu sein scheint. Gebe Gott, dass ich mich irre und zuängstlich bin. Von Felix sind die Nachrichten sehr gut, er