Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
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Musikalisches aus Berlin.

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Warum wir Dir den Hochzeitsmarsch niclit in einem Briefgeschickt haben, fragst Du? Erstlich, weil es ein grossesMusikstück ist, das schwerlich Platz auf solchem Bogeil fändeund zweitens, was denkst Du? Dies Jahr hast Du Orangen,Schmutz und Sonne, wenn wir Dir nicht etwas Erbsen, Rein-lichkeit und Musik hier aufheben, kommst Du ja lieber garnicht wieder. — Wenn ich nur wüsste, was die Brüder Dirvon Hausbegebenheiten geschrieben haben! An Felixens Ge-burtstag war hier eine sehr schöne Fete (nach Gans muss manso etwas lieber zwei Mal als garnicht hören), alle angenehmenLeute der Bekanntschaft und so wenig Kreti als möglich; denletzten Tag meldete sich die Scliröder-Devrient dazu, und daFelix ihr grosser Freund und Bewunderer ist, luden wir sienatürlich ein. Sie war sehr liebenswürdig, sang, soviel manwollte, u. A. drei Duette mit der Decker aus Figaro und Titus,und alle Leute waren glückselig. Den Sonntag darauf hattenwir zum ersten Mal Morgensoiröe im Gartensaal, der ganzgemächlich warm war; die schönste Sonne schien hinein, mirso in's Gesicht, dass ich zum nächsten Mal die Markise werdemüssen aufspannen lassen. Felix hatte mir in zwei Tagen sehrhübsche und brillante vierhändige Variationen gemacht, dieich mir Sonnabend bogenweis, wie sie fertig wurden , herüber-holte und ein wenig übte und die sehr gut gingen. Ich seherecht, wie jung Du noch bist, dass Du meinst, in ein PaarJahren würden wir zu alt sein, die Reise noch einmal zumachen; werde nur erst so alt wie ich, dann wirst Du garnicht mehf fürchten, noch ein bischen älter zu werden; jetzt,wo mir die Vierzig schon recht nahe rücken, denke ich ernstlichdaran, wie frisch und munter ich noch in den Fünfzig zu seinLust habe, so wird es Dir auch gehn und ich bin weit entfernt,eine gemeinschaftliche Reise dahin aufzugeben. Ad vocem altwerden, wünsche ich Diriclilet, der nun wieder ein Jahr älterist, als ich, nachträglich Glück zu seinem Geburtstage. Wirwaren den Abend hier mit den Geschwistern zusammen undhaben Euch hoch leben lassen. Ueberhaupt werdet Ihr nie-mals übergangen, wenn Hensel bei Toaste ist, und er ist esdiesen Winter sehr, zu Felixens höchst grotesker Bewunderung,

Die Familie Mendelssohn. II. 19