■272
Reise- und Heimathbriefe.
Gitter die Hände und Füsse ganz durchgewärmt, dazu habeich mir eine ganz eigene Attitüde auscalculirt.
Die Wirthschaft im Atelier, welches Kaselowsky, Moserund Geyer zusammen haben, ist sehr lustig, aber auch sehrordentlich, was hauptsächlich Kaselowsky's Verdienst ist; erhält darauf, dass immer aufgeräumt wird, dass Jeder seineArbeiten zusammen aufstellt, dass Sonnabend reingemachtwird u. s. w. Walter ist überglücklich in dieser Gesellschaftund sie sind mit seinen Anlagen und Fortschritten zufrieden.Gehörte nur nicht garzüviel dazu, ein Künstler zu sein, einerim wahren Sinne des Wortes, die Aussenwerke sehen sich ganzhübsch an. Aber schrecklich ist es, wie gerade hier,' im klas-sischen poetischen Rom, die Leute verphilistern. Nirgendfindet man so verknöcherte Seelen, wie gerade hier. Ich habeeinige solche Menschen geflissentlich hier vermieden; ich hinhier gar so heiter, von Morgens früh an, wenn ich vom Bettaus die Schornsteine so rosig beleuchtet sehe und möchte sogern diese Zeit ungestört heiter verleben. Vorige Wocheführte Alerz Diriclilet und Jakoby zur Lady Somerville; dakamen sie Beide ganz aufgeregt zurück, die berühmte Ilmstocldng hatte nämlich garnichts von Jakoby gewusst, nur vonseinem Bruder,*) der ihr eine galvanisch vergoldete Medailleübersandt und von nichts als monsieur votre frere gesprochen,worüber seine Eitelkeit sehr verletzt war; aus lauter Grimmwar er aber rasend witzig und geistreich, wir kamen denganzen Abend nicht aus dem Lachen. — Freitag früh trinkenDirichlet und Jakoby hei Papstens Kaffee."
Fanny an Rebecka.
Berlin, 26sten Dec. 43.
"— — Wir waren am Weihnachtsabend ziemlich still,ich glaube, wir waren eigentlich Alle nicht recht vergnügtund es wollte nur Keiner es den Andern merken lassen, Felixhat mich den Nachmittag aber sehr amüsirt, er komponirte,
*) Dem Erfinder der Galvanoplastik.