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Reise- und Heimathbriefe.
Fanny an Rebecka.
Berlin, 5ten December 1843.
„Dass Jakoby angekommen, sagt die heutige Zeitung;Privatnachricliten fügen Steiner hinzu, ich bin also um DeineFortschritte in der Mathematik nicht bange. Du wirst ebensogerne wissen wollen, wie es bei uns hier zugeht; und da istdenn in dieser Woche soviel zu- oder vorgegangen, dass iches nächstens vergessen habe, wenn ich es nicht heut aufschreibe.Dreimal waren wir bei Paul mit Musik und Gesellschaft; Mitt-woch war das erste Abonnementskonzert unter Felixens Direk-tion*) mit der a-dur-Symplionie, sehr schön, es ist zum Erstickenvoll und man riskirt mit jedem Schritt einen Bekannten todt-zutreten; die ganze Anstalt ist sehr amüsant. DonnerstagAbend war grosses Ständchen, Wiepreclit mit seinem Männer-gesangverein und einem Militairclior; da sehr schlechtes Wetterwar, hatte ich den Gartensaal erleuchten lassen, das Ganzenahm sich sehr gut aus und Felix hätte auch bis zum letztenAugenblick Nichts erfahren, wenn der Hasenfuss Woringen denMund hätte halten können; der hatte es ihm aber schon amVormittag gesteckt. Gestern letzte Sonntagsmusik in diesemJahr, die sehr gut ausfiel, die Decker sang zum ersten Malwieder und sehr schön, ich spielte das es-dur-Trio von Beet-hoven und mit Felix die Polonaise von Beethoven und dieZwischenakte zum Sommernachtstraum zum grossen Jubel derLeute. Felix ist sehr guter Laune bis jetzt und sehrliebenswürdig; ausser Allem, was ich von Musik namhaft ge-macht habe, hat er natürlich noch eine Masse von Concerten,Proben, Theater und alles Mögliche geschluckt, morgen ist nunder Sornmernachtstraum, Mittwoch das zweite Concert und soleben wir, so leben wir alle Tage. Für Woringens ist es mirsehr lieb, dass sie es gerade so treffen, auch schwimmt Ferdinandin Wonne und will gar nicht wieder nach Liegnitz zurück. —Gestern waren wir Alle zusammen auf einem kleinen Diner
*) Mendelssohn war mit seiner Familie am Ilten Novemberin Berlin eingetroffen.