Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
265
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Häusliches aus Horn. 265'

gang und gingen von da liacli der berühmten Villa Wol-chonsky, Hensel'schen Angedenkens, über die ich ganz DeinerMeinung hin und gehörig zweite Stimme schwärmte. Dort aufklassischem Boden, wo die Büste des Alexander steht, setzteich mich auf das Postament mit Diriclilet, Kaselowsky und dieKinder, die tvie Kletten an ihm hängen, auf die kleine antikeBank daneben, und trug die vortragbaren Stellen aus DeinemBrief vor. Wie abgeschmackt und dumm sind die Polizei-Chicanen! Ach Gott! Wer denkt hier an Freiheit! Ungenirt-heit vertritt die Stelle! Wie weit die geht und worin dieAlles bestellt, brauche ich wohl nicht auseinanderzusetzen.Was braucht man auch weiter für Freiheit, wenn man diehat, unter blauem Himmel spazieren zu gehn und sich von derwarmen Sonne bescheinen zu lassen. - Ich hoffe, Du nimmstdies nicht für haare Münze. Uebrigens bitte ich Hensel,nicht böse zu sein, dass wir Kaselowsky viel Zeit nehmenich glaube, es kann ihm jetzt nur dienlich sein, in dem schönenWetter sich in der Luft herumzutreiben und ein Spaziergangin der Umgegend, oder ein Besuch mehr heim Violinspieleroder bei den Tizianinnen kann auch einem Künstler nie scha-den. Unser Haus ist jetzt acht römisch montirt; drei Ab-bates, die uns besuchen; der padrone des Hauses hat grossenRespekt vor uns. Einen pennesso zur Villa Ludovisi habenwir durch den jüngern Bruder der Villa, den Principe Buon-compagni, der sich mit Mathematik beschäftigt, erhalten; dasarme jüngste Söhnchen hat nur 70,000 Scudi Revenüen, kamaber gestern mit einem Pack Bücher in ein Schnupftuch ge-wickelt, zu Fuss an. Die ganze Familie ist wegen Geiz be-rüchtigt. Landsberg's Soireen haben angefangen; Ouvertüreaus der Zanberflöte, von vier Damen, darunter Mme. Vanutelli;Sonate für zwei Pianos von Franck und Mme. Nerenz, SalveRegina von Pergolese, von Signora Sciabatta, die eine präch-tige Altstimme hat. Ihr Bruder, den ich Dich öfter habenennen hören, entzückt jetzt Petersburg durch seine Schönheitund Stimme. Das Beste war, nachdem die Meisten fortgegangenwaren, die c-moll-Sonate von Beethoven, von Franck undEckert; das hatte doch einen andern Zug, als vierundzwanzigDilettanten."