Häusliches aus Rom.
263
häuslichen Einrichtungen vergangen, mit Lectionen vom Koch,Milchmann, Bäcker etc. In Florenz hatte unsere Wirthin fürAlles gesorgt. Einige wunderschöne Mondscheinspaziergängehaben wir aber schon gemacht, nach dem Colosseum und zu-rück iiber's Capitol, und einen andern nach Monte Cavallo, ichdenke, das schlägt genug* ein, und hegreife das ce n'est qwe celanicht — allenfalls hei St. Peter, dessen ungeheure Grösse manwirklich erst in Zahlen erfahren und zu Fuss" durchmessenmuss, um gehörig zu erstaunen. 0 Fanny, hier erwacht wiederder ganze Nicolai in mir und muss erst durch sehr viel Ent-zücken in den Schlaf gewiegt werden. Vorgestern war ichhei Veit's*) und hatte leinene Stiefel an, die kamen gut zurückaus der schönen Gasse. In Berlin wäre mir's zwar schwerlicheingefallen, weisse Schuh am 8ten November anzuziehen.. Bornwar auch früher besser als jetzt; unfehlbar ist der Durchganghei Veit's ein Rückschritt gegen die Cloaca maxima , die ichnoch nicht gesehen habe. Aber ohne Spass, muss Einem nichtdas jetzige Rom neben dem alten das Herz empören? Sageja! Was werde ich gut königlich preussisch gesinnt sein, wennich lange bei Papstens bleibe! Ein Verdienst hat unser Königunstreitig, das, Felix auf die Bühne gebracht zu haben, —Diriclilet liest den ganzen Tag Boccaccio, ich, wenn ich zumLesen komme, Götlie. Vor Diriclilet's Italiäniscli hast Du vielmehr Grund, Dich zu fürchten, als vor meinem; er treibt esmit derselben Hartnäckigkeit, wie Alles, was er grade vorhat.Jakoby sagt, er zwingt die Lehrer mit der Hetzpeitsche, ihnwas zu lehren, und jeder Vorübergehende ist ihm ein Lehrer.
Lebewohl, liebe Fanny, grüsse Mann, Kind, Geschwister,das ganze Haus, die Hühner und Caro, grüsse alle Mendels-sohn's in der Jägerstrasse, wenn sie auch Oppenheim oderWarschauer lieissen und in der Behrenstrasse wohnen."
Fanny an Rebecka.
Berlin, 24sten November 1843.
Erfreue doch Diriclilet und Jacoby durch die Nachricht,
*) Philipp Veit, der Sohn von Dorothea Mendelssohn auserster Ehe.