Neapel bis Berlin.
doch in meinem Leben nicht gesehen. Erklärlich ist mir daszwar, denn ich bin nicht Dein Mann und auch ein bischenverliebt in Dich."
Brief von Fan.ny nach Hause.
Montag den lOten August Nachmittags. „Zumletzten Male sitze ich auf dem göttlichen Balkon mit dergrossen Aussicht. Die Koffer sind gepackt und werden ebenaufgeladen, morgen geht es fort. Mir selbst unbegreiflich,sind mir die Augen noch nicht nass geworden über den nahenAbschied, während ich in Korn jeden Tag, vier Wochen vor-der Abreise, meine regelmässige Anzahl Thränen vergoss.Hätte ich nicht ein wenig Graul vor dem langen, langenKeiseruck, ich würde mich unbedingt freuen. Heut assen wirnoch beim Herzog von Montebello. Mit uns assen HerrDecaitel, einige unbekannte Herren und Kemble mit seinerTochter. Sie ist sehr hässlich und war abscheulich angezogen,sodass sie eine sehr ungraciöse Erscheinung machte, sprichtaber sehr gut französisch und scheint geistreich mehr als an-genehm, denn sie hat etwas sehr Scharfes und eigentlichwenig Einnehmendes. Der Herzog ist wirklich ein sehrliebenswürdiger Mann, von den feinsten, angenehmsten Formen;er gefällt mir sehr. Sie ist auch sehr freundlich und ange-nehm; sie überwindet die Engländerin soviel als möglich.Nachmittag sassen wir erst eine Weile unter der schönenSäulenhalle, dann sang die Kemble. Ihre Stimme ist schön,aber ohne Reiz, wie ihre Person; ich finde das, obgleich siegegen mich überaus liebenswürdig war. Ich spielte auchMehreres auf dem schönen Erard und hatte dort ein sein-dankbares Publikum, obgleich ich mich leider gar nicht zumeinem Vortheil zeigen konnte, da ich mich auf dem herr-lichen Instrument schwach und unfähig fühlte. Das Concertvon Bach konnte ich kaum bezwingen. Dann nahmen wirfreundlichsten Abschied von der liebenswürdigen Familie undkamen um Mitternacht, im schönsten Mondschein, aber ganzgebadet nach Haus, denn es ist diese Tage unbeschreiblichlieiss gewesen."