146
Neapel Ms Berlin.
und die stille Feierlichkeit der Natur, kamen mir alle Zei-tungen so widerwärtig vor, wie noch nie.
Donnerstag den Ilten Juni früh meldete sichBonirote und trank mit uns Kaffee. Den haben wir nun alsoin den Hauptstädten Venedig, Rom und Neapel gesehen. Erhat mit zwei andern Malern die Reise hierher zu Fuss, zuEsel, mit einem sehr schofeln Vetturin, auf alle Weise gemacht.In den Studien trafen wir uns wieder, und er ging mit unsherum: zuerst in die Sammlung antiker Gläser und Terra-cotten; grosse Statuen aus gebranntem Thon, eine ungeheureSammlung Lampen, Dachziegel, Brunnenröhren, Küchen- undHausgerätli. Zwei grosse Glasgefässe sind noch gefüllt, manweiss nicht, womit. Hierauf in die Sammlung pompejanischerund herkulanisclier Broncen, nach meinem Geschmack dieinteressanteste von allen. Hier muss man wirklich Geschmack,Phantasie, Zweckmässigkeit und Reichthum der Alten bewun-dern, von solchem Luxus hatte ich keinen Begriff; und wennman nun bedenkt, dass in einem kleinen Landstädtchen, wiePompeji, die Möbel mit Silber ausgelegt, die Küchengeräthenicht verzinnt, sondern versilbert, und jedes kleinste Stückmit künstlerischem Geschmack in der vollendetsten und zu-gleich zweckentsprechendsten Form angefertigt ward, so kannman daraus auf das scliliessen, was der Zeit in Rom, Syrakusund andern Hauptstädten zu sehn war. Diese Sammlung istauch vernünftig aufgestellt und gut zu übersehen. Natürlichvermehrt sie sich täglich, wie die andern pompejanischenGegenstände, sowie die Ausgrabungen fortschreiten, und indiesem Zustand des Werdens liegt auch ein grosser Reiz.Mir fielen auf, zwei wunderschöne Eimer, Tempelgefässe; dieHenkel bilden, niedergelegt, einen zierlichen Rand, mit Silberausgelegt; mehrere Sitze von Senatoren; andere Sitze vonBronce mit herrlichen Thierköpfen, sehr hoch, sie müssenFusstritte gehabt haben, um sich drauf zu setzen. EiserneBettstellen, sehr schmal, dienten zugleich als Sophas, 4 bis500 Lampen, keine der andern gleich, selbst die an einemMittelstück hängen, oft vier, alle verschieden. Die hohen Ge-stelle, auf denen sie meist stehen, zum Theil Bäumen nach-