Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
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Neapel bis Berlin.

Liebesbriefes, über unsere Schwellen und Nasen ist dergleichennicht gekommen. Glaubt übrigens, dass wir jetzt herz-lich nach Hause verlangen und hier nicht länger bleibenwerden:, als nöthig ist. Wir Beide wären am liebsten vonBorn nach Hause gereist, um diesem grössten Bilde durchkeinen späteren Eindruck Nachtheil zuzufügen, wenn man esnur vor sich selbst hätte verantworten können, Neapel nichtzu sehen. Mit herzlicher Freude schreibe ich jetzt auf baldigWiedersehen. Haltet Euch Alle gesund und lasst uns dasHaus in erfreulichem Stande finden."

Montag 8ten Juni, zweiten Pfingstfeiertag, wurdedas Fest der Madonna del Arco gefeiert, wovon Robert seinBild gemalt hat. Wir fuhren hin sieben Miglien landeinwärts,und auf dem ganzen, langen Wege war schon ein unbeschreib-licher Spektakel. Hunderte von Wagen, so und ähnlich, wieRobert sie gemalt, mit grünen Zweigen, Tüchern, Bändernbehangen, die Leute drauf mit gabelförmigen Stöcken, andenen Federn, Blumen, Heiligenbilder, Körbe, Löffel und tausendandere Dinge hangen, die sie auf dem Markt neben der Kirchegekauft, Alles geputzt und aufgestutzt, so gut als möglich,Tamburin, Kastagnetten, Gesang und unsägliches Geschrei,und das Alles mit einem erstickenden Staube gewürzt. Inder Nähe der Kirche erreicht der betäubende Lärm und dasGedränge eine kolossale Höhe; da . sitzen sie in den Budenund trinken, doch sah ich keinen Excess. Sehr viel ganzafrikanische Physiognomien und negerschwarze Haut bemerkteich; ein Mädchen schlug Tamburin und lachte dazu mit ganzafrikanischer Wildheit. In der Kirche rutschte ein Mann aufden Knien umher und leckte dabei den ganzen Fussboden ab,ein schönes Gelübde! Wir liessen den Wagen in den Schattenfaluen, während Wilhelm herumging, zeichnen. Wir kamenüberein, dass dies Fest vortrefflich sich zu einer Friescompo-sition eignete, denn es ist wirklich ein romantisch baclian-tischer Zug!

Dienstag den 9ten Juni gingen wir früh nachden Studien. An den antiken Fragmenten Mosaiken, Dar-stellungen, besonders von Thieren in grosser Treue und Natur-