70 Italien.
geführte alte Burg, in herrlicher Gegend. Die Seite, von derwir kamen, ist eben, nur in der Ferne von niedrigen Bergenhegränzt, voller grüner Weiden und schöner spiegelklarerSeeen. An der Bückseite des Berges, der die Burg trägt,liegt ein prächtiger schwarz-grüner Alpensee, mit Schwänen,die sich auf dem dunkeln Wasser wie schwimmende Sternchenausnehmen, dahinter mehrere Schichten hoher und höchsterBerge (nicht Herrschaften). Man steigt einen sehr bequemenAVeg zur Burg hinauf, an dem schon die Laternen mit dendazu gehörigen „Stengeln" (vide Felix' Kinderjahre) gothischsind. Ueberhaupt habt Ihr gar keinen Begriff, wie gothisches da zugeht. Domenic Q.uaglio hat, wie Ihr wissen werdet,jedes Stiililclien auf der Burg gezeichnet, und ist endlich selbstoben gestorben. Alle Zimmer sind mit Wandmalereien inAVachs bedeckt, und der Kronprinz ist so unpartheiisch dabeizu AYerke gegangen, dass er in einem Gemach Geschichtender Hohenstaufen, im andern Geschichten der AVelfen hat dar-stellen lassen. Indessen Spott a pari, der hier sehr nahe liegt,ist es doch geistreich und schön durchgeführt, etwas besserals Prinz Friedricli's Burg am Bliein, und die Aussicht ausallen Fenstern über vier Seeen von ganz verschiedenem Cha-rakter entzückend schön. Bald darauf passirt man die öster-reichische Gränze, die wir vermittelst eines Guldens ohne jedeBelästigung überschritten und noch an demselben Tage kamenwir über einen sehr bedeutenden Alpenpass, den Finstermünz,welcher allein hinreichend ist, nach Italien zu gelangen, dennman kann von da ohne weitere Berge zu überschreiten nachBötzen gehen. Dieser Finstermiinzpass hat mich aufs Leb-hafteste an den Gotthard erinnert. Ein schroffes Aufsteigenauf herrlicher Strasse, zwischen zwei Beihen Felswänden, zurSeite den Inn, den man immer tiefer und tiefer unter sichtoben hört, und an der Stelle, wo die romantische Schönheitder Gegend den Gipfel erreicht, wendet sich, wie beim UrnerJoch, die Strasse plötzlich nach innen, anstatt der Teufels-brücke kommt man an einer Festung vorbei, welche die Oester-reicher da, wo das Thal am engsten ist, an und in den Felsenbauen, und nun befindet man sich plötzlich in einer stillen